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Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel - Pflanze des Monats Mai 2014

Wohl bekannt - nicht immer geliebt

Sie ist uns allen wohl bekannt, denn sie wächst überall auf unseren Wiesen, in Wäldern und an Wegrändern, selbst in der Stadt – die Brennnessel. Geliebt wird sie nicht gerade, denn die meisten haben schon Bekanntschaft mit ihren stechenden Brennhaaren gemacht. Dabei gebührt ihr eigentlich ein Ehrenplatz in jedem Garten, denn sie ist ein wahrer Alleskönner unter den Heilpflanzen.

Die Brennnessel gedeiht fast auf der ganzen Welt und auch in Deutschland ist sie überall anzutreffen. Sie ist anspruchslos und wächst in Gruppen und oft auf bearbeitetem Boden, der möglichst nahrhaft ist. Das macht sie zum Kulturfolger, sie begleitet die Menschen in ihre Dörfer und Städte. Auch als Stickstoffanzeiger ist sie bekannt.

Die große Brennnessel ist zweihäusig, das heißt es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Sie wird ca. einen Meter hoch und hat gesägte Blätter, die mit kieselsäurehaltigen Brennhaaren besetzt sind.

Seit Menschengedenken wird sie in vielen Lebensbereichen eingesetzt. Neben der Heilkunde wird sie als hervorragendes Düngemittel im Gemüsebau, in der Küche als Gemüse und sogar als Faserpflanze verwendet.

Wegen ihrer cremig-milden Geschmacksnote und der wertvollen Inhaltsstoffe kann die Brennnessel zu köstlichen Gerichten verarbeitet werden. Sie enthält drei Mal so viel Eisen wie Spinat, sieben Mal so viel Vitamin C wie Orangen, viel Carotin und 9 Prozent Eiweiss. Damit eignet sie sich sehr gut als Grundnahrungsmittel. Hatte sie früher deshalb eher den Ruf eines Arme-Leute-Essens, so wird sie heute mit Vorliebe von Spitzenköchen in Drei-Sterne-Restaurants verwendet, die ihre Gäste mit Brennnesselrisotto, Brennnesseltarte oder Brennesselspätzle begeistern. Wer es einfacher mag, kann sich ein leckeres spinatähnliches Gemüse aus ihnen zubereiten. Dabei muss man sich vor den Brennhaaren nicht fürchten, ihre brennende Wirkung verflüchtigt sich während der Zubereitung.

Im Bio-Gartenbau wird die Brennnesseljauche sehr geschätzt, die seit vielen Jahrhunderten gebraut wird. Dazu werden die Brennnesseln mit Wasser übergossen, zum Gären bedeckt an einen warmen Ort gestellt und täglich umgerührt. Die abgesiebte Brühe kann als stickstoffreicher natürlicher Dünger und als Pflanzenschutzmittel gegen Insekten verwendet werden.

Nicht zuletzt ist die Brennnessel eine wertvolle Heilpflanze. Sie wird gerne in Frühjahrskuren verwendet weil sie stark entwässernd wirkt, den Stoffwechsel anregt, alle Schlacken des Winters aus dem Körper spült und Erschöpfungszuständen entgegen wirkt. Zu Heilzwecken wird meist ein Tee zubereitet, der auch bei Nieren- und Blasenleiden hilfreich ist. Auch bei Rheumatismus und Gicht ist die Brennnessel wirksam, weil sie die Giftstoffe aus dem Körper spült. Sie hilft Verdauungsbeschwerden zu lindern indem sie Leber und Galle positiv beeinflusst; selbst auf die Bauchspeicheldrüse hat sie eine positive Wirkung, was sich in einem ausgeglichenen Blutzuckerspiegel bemerkbar macht. Bei Harnwegsinfekten sorgt Brennnesseltee für einen basischen Urin und eine Durchspülung der Harnwege. Dadurch können auch Nierensteine vermieden werden. Die Wurzeln sind äußerst wirksam bei Prostataerkrankungen, die Samen helfen bei Unfruchtbarkeit und Impotenz und steigern die Milchproduktion stillender Mütter. Um dichtes glänzendes Haar zu bekommen kann man sich jeden Morgen zwei Teelöffel der nussig schmeckenden Samen ins Müsli streuen oder einen Auszug aus den Blättern als Haarwasser verwenden. Als wäre das nicht genug senkt die Brennnessel den Blutdruck und stärkt die Abwehrkräfte besser als Echinacea.

Die Brennnessel hat wohl allen Grund, sich mit brennenden Haaren zu schützen. Kräuterpfarrer Künzle fasste es treffend zusammen: „Hätte die Brennnessel keine Stacheln, wäre sie bereits ausgerottet worden, so vielseitig sind ihre Tugenden.“

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