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Das Schilfrohr (Phragmites australis)

Das Schilfrohr – Pflanze des Monats März 2018

Günstiges Baumaterial und natürliche Kläranlage

Die Stängel des Schilfs werden bis zu vier Meter hoch werden. Foto_Stadt Rastatt
Die Stängel des Schilfs werden bis zu vier Meter hoch werden. Foto_Stadt Rastatt
Schilf ist ein gutes und günstiges Baumaterial. Foto_Stadt Rastatt.
Schilf ist ein gutes und günstiges Baumaterial. Foto_Stadt Rastatt.

Zur Pflanze des Monats März 2018 hat die Umweltstiftung Rastatt einen Vertreter aus der Gattung der Süßgräser gewählt: das Schilfrohr, auch Schilf genannt. Sein wissenschaftlicher Name ist Phragmites australis.

Das Schilf ist eine der am weitesten verbreiteten Pflanzen der Welt. Mit seinem bis zu vier Meter hohen Stängel ist das Schilfrohr der Riese unter den einheimischen Gräsern und der Prototyp eines Sumpfgrases. Es besitzt überhängende, bis zu fünf Zentimeter breite, blaugrüne Blätter und bildet bis zu 50 Zentimeter lange, fedrige, rötlichbraune Blütenstände aus. Die oberirdischen Teile des Schilfs sterben im Winter ab und werden im Frühjahr aus Schösslingen der Rhizome – verzweigte unterirdische Sprossteile – neu gebildet.

Das Schilfrohr wächst an Ufern stehender und langsam fließender Gewässer und auf Feuchtwiesen. In Gewässern dringt es bis in eine Wassertiefe von maximal zwei Metern vor. Durch seine enorme Wuchskraft bildet das Schilf stellenweise Röhrichte. Schilf ist äußerst konkurrenzfähig und lässt auf Grund der Beschattung des Bodens und des dichten Rhizomgeflechts kaum andere Arten aufkommen. Die ausgedehntesten Schilfvorkommen in Europa befinden sich im rumänischen Donaudelta. Dort wächst auf rund 1800 Quadratkilometern die größte zusammenhängende Schilffläche der Erde.

Natürliche Kläranlage
Die Fähigkeit von Schilf, Sauerstoff in Wasser und Boden abgeben zu können, fördert den mikrobiellen Abbau von organischer Substanz durch Sauerstoff liebende Bakterien. Diese siedeln sich in großer Menge an den Wurzelhaaren des Schilfes an. Schilfröhricht übernimmt damit die Rolle einer biologischen Kläranlage im See. Diese gewässerreinigende Wirkung von Schilf wird gezielt bei biologischen Pflanzenkläranlagen eingesetzt.

Schilf festigt einerseits durch das weit verzweigte bewurzelte Rhizom den Boden an den Ufern, andererseits können die vielen dicht stehenden Halme zum Uferschutz beitragen. Zwischen den dichten Halmen sammelt sich mit der Zeit viel Schlamm an, was langsam zur Verlandung von stehenden Gewässern führt.

Vielseitiges Baumaterial
Schilf ist aufgrund seines schnellen Wachstums ein günstiger Rohstoff. Es wird seit Jahrhunderten von Menschen genutzt. Verschiedene Eigenschaften beispielsweise die brandhemmende Wirkung aufgrund seines Gehalts an Kieselsäure, mechanische Stabilität, schlechte Wasseraufnahme und eine griffige Oberflächenstruktur machen es zu einem hervorragenden Baumaterial als Reet zur Dachbedeckung oder zur Haftung für Lehmputz. Es soll als natürlicher Baustoff bereits in der Jungsteinzeit verwendet worden sein. Außerdem dient es zur Herstellung von Sicht- und Windschutzmatten und als ökologisches Dämmmaterial. Auch zur Zellstoffproduktion eignet sich regelmäßig gemähtes Schilf.

Wichtiger Lebensraum für Tiere
Schilf bietet nicht zuletzt Schutz, Nahrung und Lebensraum für zahlreiche verschiedene Tierarten. So verbringen einige „Schilfvögel“, wie Rohrsängerarten, fast ihr ganzes Leben im Schilf. Andere Vögel sind dort nur zeitweise während der Brutzeit zu Hause, wie beispielsweise Haubentaucher, Silberreiher und Blässhuhn. Viele Vogelarten nutzen das Schilf als sichere Rast- und Schlafplätze. Die Wasserzone des Schilfröhrichts dient auch als Laichhabitat, Kinderstube und Fluchtversteck für zahlreiche Fische.