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Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)

Großer Wiesenknopf - Pflanze des Monats Oktober 2015

Heimisches Rosengewächs

Großer Wiesenknopf, Foto: Larissa Panella

Zur Pflanze des Monats Oktober 2015 hat die Umweltstiftung Rastatt den Großen Wiesenknopf gewählt. Er gehört zur Familie der Rosengewächse. Die bis zu 120 Zentimeter große, von Juli bis November blühende Pflanze, erkennt man leicht an ihren blutroten, eiförmigen Blütenköpfchen. Wegen dieser auffälligen Blütenstände wird sie oft auch als Blutströpfchen bezeichnet.

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind die Stadt Rastatt und die umliegenden Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggensturm, kommt der Große Wiesenknopf verbreitet in feuchten und wechselfeuchten Wiesen vor.

Beispielsweise wächst er im Bereich des Schafköpfelweges, der über die Wintersdorfer und Iffezheimer Gemarkung führt (Startpunkt in Wintersdorf nach der Kunstwiese in Richtung Sportplatz). >> weitere Infos (PDF) 

 

Kinderhort für bedrohte Schmetterlinge

Der Große Wiesenknopf ist für viele Insekten eine sehr attraktive Pflanze, darunter Schmetterlinge, Bienen und Ameisen.

Eine ganz besonders wichtige Rolle spielt er für zwei besonders geschützte Schmetterlingsarten, den Dunklen und den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Wie schon deren Namen vermuten lassen, spielt sich ein wichtiger Teil ihres Lebens auf dem Großen Wiesenknopf ab. Denn diese Fluginsekten legen ihre Eier ausschließlich in den Blüten des Großen Wiesenknopfes ab. Die geschlüpften Raupen ernähren sich zunächst von den Einzelblüten und lassen sich nach einigen Tagen auf den Boden fallen. Ein zunächst merkwürdig anmutendes Verhalten, denn am Boden lauern die Todfeinde der Raupe: Ameisen.

Doch die Raupen verstecken sich, bis sie schließlich von einer speziellen Ameisenart, der Rotgelben Knotenameise gefunden werden, die über Duftstoffe angelockt werden. Der Duftstoff bewirkt, dass die Rotgelben Knotenameisen die Raupen des Wiesenknopf Ameisenbläulings „adoptieren“. Ein fataler Fehler der Ameisen, denn sobald sie die Raupen in ihren Bau gebracht haben, ernähren diese sich von der Ameisenbrut und bekommen außerdem Schutz und einen warmen Ort zum Überwintern geboten.

Bis zu 600 Larven kann eine Raupe während ihres zehnmonatigen Aufenthalts vertilgen. Im Juni des nächsten Jahres verpuppt sich die mittlerweile dicke und große Raupe für circa 25 Tage. Danach beginnt die gefährlichste Reise des Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Denn die Honigduftdrüsen sind verschwunden und die Ameisen bemerken den Betrug, sodass der Schmetterling so schnell wie möglich an die Oberfläche muss, denn erst dort kann er seine Flügel entfalten.

Wiesenknopf-Ameisenbläulinge auf dem Großen Wiesenknopf, Foto: Rainer Deible

Wichtig ist der richtige Mähzeitpunkt

Durch häufige landwirtschaftliche Beweidung, zu tiefen Grasschnitt oder Mäharbeiten zur falschen Zeit sowie durch Herbizid-Einsatz wird das Vorkommen des Großen Wiesenknopfes immer seltener und damit sind auch die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge bedroht.

Zum Schutze des Wiesenknopf-Ameisenbläulings ist auf Wiesenknopfwiesen darauf zu achten, dass gleichzeitig die Wirtspflanze, als auch die Ameisenart als Wirtstier gefördert werden. Dies wird sichergestellt durch eine regelmäßige und jahreszeitlich angepasste Wiesenmahd. Bei den im Wirkungsbereich der Umweltstiftung meist zweischürigen Wiesenknopf-Wiesen hat die erste Mahd nicht zu spät im Jahr zu erfolgen, damit sich zur Flugzeit des Schmetterlings die Blütenköpfe des Wiesenknopfes als Eiablageplatz voll entwickelt haben. Eine zweite Mahd soll entsprechend spät im Jahr erfolgen, damit die Raupen genug Zeit haben, sich an der Wirtspflanze zu nähren und von den Ameisen in ihren Bau gebracht zu werden. Darüber hinaus wird auf den Wiesen auf Düngergaben verzichtet.

 

Vielseitig verwendbar in Homöopathie und Küche

Der Wiesenknopf war bereits in der Antike sowie im Mittelalter bekannt. Er enthält Gerbstoffe und seine Samen sind Öl haltig. Aufgrund der Gerbstoffe wurde der Große Wiesenknopf in der Volksheilkunde als blutstillendes Mittel zu Wundbehandlung und als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Diese positiven Wirkungen der Pflanze finden auch noch in der heutigen Homöopathie Anwendung.

In der Küche verwendet man junge Triebe und Blätter des Großen Wiesenknopfes als Salatbeigabe – öfter werden hier jedoch die meist würzig, nussartig schmeckenden Blätter des kleinen Bruders verwendet.

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