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Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)

Das Indische Springkraut - Pflanze des Monats September 2014

Eine Inderin erobert den badischen Dschungel

Zur Pflanze des Monats September 2014 hat die Umweltstiftung Rastatt das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera), das auch unter den Namen Drüsiges Springkraut oder Balsamine bekannt ist, gewählt. Es ist eine Pflanzenart aus der Familie der Balsaminengewächse, zu der auch die bei uns gerne in Pflanzschalen, Sommerrabatten und Balkonkästen kultivierte Zierpflanze „Fleißiges Lieschen“ gehört.

Das Indische Springkraut ist ein sogenannter Neophyt, ein „Neubürger“, der in Baden-Württemberg ursprünglich nicht heimisch war. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist der westliche Himalaya (Indien, Nord-Pakistan, Kaschmir). Als dekorative Zierpflanze wurde es bereits im Jahr 1839 als Zierpflanze nach England (Botanischer Garten Kew Gardens) eingeführt. Danach wurde es in vielen weiteren europäischen Gartenanlagen kultiviert. Durch Verwilderungen breitete sich die attraktive Pflanze schnell und unkontrolliert über die Gartenanlagen hinweg aus. 1904 erschien es in der Schweiz und besiedelte von dort aus das Oberrheingebiet. Im Jahr 1927 wurde die „Inderin“ erstmals am Kaiserstuhl nachgewiesen und dann um 1930 auch an der Murgmündung beobachtet. Innerhalb von 30 – 50 Jahren hat sich die Pflanze danach insbesondere entlang von Gräben, Bächen und Flüssen invasionsartig in ganz Baden-Württemberg verbreitet. Auch Imker sollen zu seiner Ausbreitung beigetragen haben, da sie die Art als Bienenweide anpflanzten. Heute ist Impatiens glandulifera in ganz Mitteleuropa und darüber hinaus eingebürgert und tritt stellenweise massenhaft auf. 

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das ist die Stadt Rastatt und die umliegenden Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggensturm, findet sich das Indische Springkraut bevorzugt auf feuchten bis nassen, nährstoffreichen Böden in luftfeuchter Lage, wie sie sich vor allem in unseren Auenwäldern, in Auengebüschen an Bachufern oder Wegrändern finden. Insbesondere in Pappelwäldern der Rastatter Rheinaue kann das Indische Springkraut stellenweise hochwüchsige, bis zu 2,5 Meter hohe dichte Bestände bilden.

Das Indische Springkraut ist eine einjährige Staude, die in kürzester Zeit Wuchshöhen von bis über zwei Meter erreichen kann. Besonders schnell wächst es, wenn eine ausreichende Wasserversorgung gegeben ist. Aufgrund ihrer ungeheueren Stoffproduktion kann die Pflanze stellenweise die ursprünglich in der Aue beheimateten Pflanzen weitgehend verdrängen.

Da das Kraut an Blattstiel und Blattgrund unangenehm riechende Drüsen besitzt, wird es oft auch Drüsiges Springkraut genannt. Der Duft eines großen Bestandes ist oft schon zu riechen, bevor man die Pflanzen sieht.

Auffallend schön sind die bis zu vier Zentimeter großen orchideenartig anmutenden, süßlich duftenden Blüten. Aus diesem Grund wird die bei uns von der Mitsommerzeit bis zu den ersten Frösten blühende Pflanze auch Bauernorchidee genannt. Das Farbenspektrum der Blüten reicht von rotviolett über blaßrot, rosa bis weiß. Oft können an ein und derselben Pflanze gleichzeitig Knospen, Blüten und Samen beobachtet werden. Der in den Blüten verborgene Nektar hat einen hohen Zuckergehalt. Das reiche Nektarangebot und die späte Blütezeit machen Impatiens glandulifera für Insekten sehr attraktiv. Vor allem Bienen und Hummeln fliegen die Blüten an. Manchmal beißen insbesondere die Hummeln den Sporn an und begehen Honigraub. Zusätzlich bieten die außerhalb der Blüten liegende Nektarien Nahrung für kleine Insekten.

Sowohl der deutsche Name „Springkraut“ als auch der lateinische Impatiens (= ungeduldig) beziehen sich auf die reifen etwa 3 – 5 cm langen, keulenförmigen Kapselfrüchte. Diese springen, wenn sie reif sind, auf kleinsten Druck explosionsartig auf – die Fruchtblätter rollen sich dabei blitzschnell nach außen - und können die Samen bis zu 7 Meter aus der Kapsel herausschleudern. Ein Regentropfen oder ein Windstoß genügen, um diesen Schleudermechanismus in Gang zu setzen. Die schwarzen, rundlichen Samen sind schwimmfähig und können über Fließgewässer weit verbreitet werden.

Das Indische Springkraut bildet wegen seiner hohen Samenproduktion – ein Pflanze kann 2000 und mehr Samen produzieren - schnell große, flächendeckende Bestände, in denen keine heimischen Pflanzenarten aufwachsen können. Rascher Aufwuchs und starke Schattenwirkung verdrängen andere Pflanzen, es gibt Bereiche, in denen die natürliche Vegetation und Tierwelt so gut wie keinen Raum mehr finden. Das Drüsige Springkraut besitzt nur einen schwach entwickelten Wurzelstock. Da die Pflanze beim ersten Frost sofort abfriert, besteht keinerlei Haltekraft mehr für den Boden.

Alle in Europa wachsenden Springkrautarten, sind roh leicht giftig, sie haben eine abführende Wirkung. Wenn man sie roh in größerer Menge vertilgt, kann es zu Durchfall, Schwindel oder Übelkeit kommen.

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