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Interview mit Waltraud Godbarsen von der Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim (INI)

Waltraud Godbarsen, erste Vorsitzende der Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim (INI) wurde von Maria Pathe und Linda Bertet (FÖJ der Stadt Rastatt) interviewt.

 

Kontaktdaten

Waltraud Godbarsen

Severin-Schäfer-Str. 3, 76473 Iffezheim

Tel: 07229 3130

E-mail: naturschutz (at) in-iffezheim.de

 

Weitere Ansprechpartner

Anton Schniertshauer, zweiter Vorsitzender

Herbert König, ehemaliger zweiter Vorsitzender

 

Was sind Ihre Tätigkeiten bei der INI?

 

Ich bin zuständig für Organisation und Koordination, mache den Schriftverkehr und bereite die einmal im Monat stattfindenden Sitzungen des Vereinsvorstandes vor.

 

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

224

 

Wie kann man Mitglied werden?

Auf unserer Homepage findet sich ein Antragsformular. Außerdem werben wir bei unseren Veranstaltungen für eine Mitgliedschaft in unserem Verein.

 

Wie hoch ist der Mitgliedsbeitrag?

Der Mitgliedsbeitrag beträgt für eine Einzelperson 16 € im Jahr, 21 € im Jahr ist der Familienbeitrag.

 

Wer ist die Zielgruppe der INI?

 

Wir hatten in den vergangenen Jahren eine sehr gut funktionierende Kindergruppe; leider fehlt uns zurzeit jemand, der die Leitung übernehmen möchte. Wir suchen offensiv auch den Kontakt zu den Iffezheimer Schulen; junge Leute sind eine sehr wichtige Zielgruppe für uns. Ansonsten kommen unsere Mitglieder aus allen Sparten und Bereichen.

 

Was macht die Kindergruppe?

Unsere Kindergruppe ist das ganze Jahr über beschäftigt mit Aktionen wie Wassererkundungen, Vogelbeobachtungen, Basteln mit Naturmaterialien. Im Winter lernen die Kinder u.a. Fährten lesen im Schnee.

 

Gibt es in Ihrem Verein auch Jugendliche?

Im Moment leider nicht. Das Interesse am Naturschutz bei jungen Leuten geht ab einem bestimmten Alter verloren.

 

Sie bieten in den Sommerferien ein Ferienprogramm, wie sieht das aus?

Für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren bieten Iffezheimer Vereine ein Ferienprogramm an. An diesem beteiligt sich auch die INI. Bei unseren Veranstaltungen gibt es ein reiches Angebot an Spielen und sonstigen Aktionen, die das Interesse der Kinder an der Natur wecken sollen. Sie finden großen Anklang.

 

Welches sind die Schwerpunkte ihrer Vereinsarbeit?

In erster Linie betreiben wir Naturschutz und Landschaftspflege. So versuchen wir die Lebensräume für die Weisstörche in Iffezheim zu erhalten bzw. zu verbessern. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der ökologischen Umgestaltung von Fließgewässern, bei der unsere Bäche lebendiger gestaltet werden. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, dass sich ein Teil des Gemeindewaldes zu einem Naturwald zurück entwickeln kann und setzen uns für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. 

Renaturierung Sandbach

Hinweis:

Eine Zusammenstellung der zahlreichen Aktivitäten, welche die INI seit ihrer Gründung im Jahr 1986 umgesetzt hat, findet sich in der Jubiläumsschrift „25 Jahre Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim e.V.“, die anlässlich des Vereinsjubiläums herausgegeben wurde. Sie kann direkt über die INI bezogen werden. 

Erzählen Sie von der Storchenansiedlung.

Im Jahr 1983 gab es in ganz Baden-Württemberg nur noch 15 Storchenpaare. Aus diesem Grund wurde vom Bund Deutscher Vogelschutz, dem Vorläufer des NABU und dem Land Baden-Württemberg ein Projekt zur Wiederansiedlung des Storches ins Leben gerufen.

Wir haben uns für ein Storchenpaar beworben und mussten verschiedene Kriterien erfüllen. So mussten z.B. Flächen naturnah umgewandelt werden. Im Bereich der Iffezheimer Rennbahn haben wir Tümpel für Amphibien, die den Störchen als Nahrung dienen, angelegt. 1984 – zwei Jahre vor der eigentlichen Vereinsgründung war es soweit – wir erhielten das erste Storchenpaar.

Die beiden Altstörche mussten ihre ersten drei Jahre in Iffezheim in einer Voliere verbringen. Dadurch verloren sie ihr Zugverhalten. Diese Eigenschaft wird jedoch nicht auf ihre Nachkommen vererbt.

 

Mittlerweile hat sich der Bestand der Störche in der Region deutlich erhöht. Ist dies auf ihre Initiative zurückzuführen?

Ja, das Projekt war ein voller Erfolg. Von den zwei Störchen die wir ausgewildert haben, ist das Männchen leider gestorben, mittlerweile kommt seit zwei Jahren ein Storch aus Frankreich, der unsere bereits 30 Jahre alte Störchin beglückt.

 

Ist eine Fütterung von Störchen überhaupt noch notwendig?

Die Störche können sich im Allgemeinen selbst ernähren. Die Altstörchin in Iffezheim ist es gewohnt, dass sie gefüttert wird und muss deshalb auch weiterhin angefüttert werden.

 

Sie haben auch ein Amphibienprojekt. Besteht da nicht ein Widerspruch?

Das ist überhaupt kein Problem. Verbreitet ist die Meinung, dass Frösche die Hauptnahrung der Störche sind. Dies stimmt aber so nicht. Natürlich fressen Störche auch Frösche, aber sie sind nicht ihre Lieblingsspeise.


Was fressen die Störche gerne?

Sie fressen gerne Mäuse, Regenwürmer und Insekten.

Erläutern Sie uns doch bitte das Amphibienprojekt der INI?

Auf Gemarkung Iffezheim gibt es an Standorten mit hohem Grundwasserstand Kleingewässer. Deren Funktion als Amphibienlaichgewässer wurde durch fortschreitende Verlandung stark eingeschränkt. Aufgrund dessen ließ die INI mit Fördermitteln der Umweltstiftung Rastatt ein Konzept für die Neuanlage von Gewässern sowie die Verbesserung der bestehenden Amphibienlaichgewässer erstellen. Die Sanierung der ausgewählten Kleingewässer, die Maßnahmen wie Rodung von Schilf und Bäumen beinhaltete, wurde zwischen Februar 2010 und November 2011 abgeschlossen. Durch die Sanierung wurde sowohl die Artenzahl als auch die Individuenzahl der Amphibien deutlich erhöht.

 

Welche Amphibienarten gibt es in den angelegten Laichgewässern?

Nach der Sanierung konnten in den Laichgewässern folgende Arten nachgewiesen werden: Grasfrosch, Springfrosch, Laubfrosch, Erdkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch, Bergmolch, Teichmolch und Fadenmolch. 

Sie haben auch ein Waldkonzept entwickelt, was hat es damit auf sich?

Alte Bäume und Totholz sind ein vielfältiger Lebensraum. Für die Verwirklichung dieses mittlerweile seltenen Lebensraums mit seinen Tausenden von totholzabhängigen Organismen wie Insekten, Pilse, Moose, Vögel oder Fledermäuse erarbeitete die INI ein sogenanntes „Waldkonzept“. Unser Konzept beinhaltet die Vorgabe, 5 Prozent der Waldfläche einfach sich selbst zu überlassen und auf dieser Waldsonderfläche ein natürliches Werden und Vergehen im Wald zuzulassen. Unsere ursprüngliche Planung sah 17 Prozent nutzungsfreie Waldflächen vor; damit sind wir aber kläglich gescheitert. Der Gemeinderat Iffezheim hat im Jahr 2005 dem Konzept der INI zugestimmt, wonach 5% des Gemeindewaldes (rund 33 Hektar) seiner natürlichen Entwicklung überlassen und Altholzbestände dauerhaft ermöglicht werden sollen.

 

Kann man sich das ansehen?

Natürlich. Wir bieten auch Führungen zu den Naturwald-Parzellen an. Es gab auch schon eine Aktion mit Kindern, welche die Spechtbäume umwickelt oder besprüht haben, um sie zu kennzeichnen. 

Nun zu Thema Streuobstwiesen. Was tun Sie in diesem Bereich?

Die Leute, die heute noch die Obstbäume bewirtschaften, werden immer älter. Viele werden bald nicht mehr in der Lage sein, diese zu unterhalten. Deshalb haben wir ein Konzept erarbeitet, das das Ziel hat Leute dazu zu bewegen, die Streuobstwiesen auch künftig zu bewirtschaften. Es mutet vielleicht nicht ideal an, aber wir wollen den Leuten die bereit sind, dafür etwas zu tun, Geld geben. Und zwar umso mehr Geld, je mehr sie die Arbeit in ökologischem Sinne machen.

Diesem Konzept muss aber noch der Gemeinderat zustimmen. Wir hoffen dass im Jahr 2014 darüber entschieden wird.

Um die Leute für das Thema zu sensibilisieren, haben wir mit den Äpfeln gemeindeeigener Bäume, die nicht genutzt werden, Apfelsaftpressaktionen durchgeführt. Dafür haben sich neben Schulen auch Privatpersonen beteiligt, die selbst Apfelbäume haben. Wir hatten richtig großen Erfolg damit.

 

Abschließend noch die Frage: Welches der genannten Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen?

Mir persönlich ist der Storch besonders wichtig. Der Storch war und ist das „Zugpferd“ der INI. Er steht für eine intakte Landschaft, die Pflanzen und Tieren einen Lebensraum und dem Menschen Raum für Entspannung und Erholung bietet. 

Link:

>> www.in-iffezheim.de

 

(Alle Fotos: INI)

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