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Interview mit dem Kenner heimischer Orchideen Helmut Läpple

Fleischfarbenes Knabenkraut

Helmut Läpple, heimischer Orchideenkenner, wurde 2013 von Ramona Müller und Melina Wochner vom FÖJ der Stadt Rastatt interviewt.

 

Kontaktdaten

Name: Helmut Läpple

Email: helmut.laepple (at) gmx.de

 

Weitere Ansprechpartner?

Botanische Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland e.V.

Bahnhofstraße 38, 76137 Karlsruhe

Tel.: 0721/9379386

Email: info (at) botanik-sw.de

 

Tätigkeiten?

Helmut Läpple haben wir detaillierte Informationen über das Vorkommen und die Verbreitung der heimischen Orchideen im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt zu verdanken. Als ausgewiesener Orchideen-Kenner hat er im Zeitraum 1987 – 1994 eine Orchideenkartierung im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden durchgeführt und konnte insgesamt 22 verschiedene Orchideen-Arten und zwei Hybriden nachweisen.

Läpple, H. (1996): Orchideen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden. Ein Beitrag zur Kartierung der Orchideen in Baden-Württemberg. - Jour. Eur. Orch. 28 (2): 219 - 322.

Nach seiner Erstkartierung hat Helmut Läpple seine Erhebungen kontinuierlich fortgesetzt und regelmäßig aktualisiert. Heutiger Stand: Im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden konnten von ihm mittlerweile 25 Orchideen-Arten nachgewiesen werden.

 

Was hat Sie dazu geführt, sich gerade mit wild wachsenden Orchideen zu beschäftigen?

Helmut Läpple hat in Freiburg Biologie und Chemie für das Höhere Lehramt an Gymnasien studiert. Während seiner Studienzeit nahm er auch an Exkursionen teil. Bei einer dieser Exkursionen wurden fünf blühende Orchideenarten gefunden. Dies war ein Schlüsselerlebnis für ihn. Seither ist er von den Orchideen wie von einem Virus infiziert. „Es war Liebe auf den ersten Blick“.

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Baden-Württemberg von den Naturkundemuseen eine systematische Floristische Kartierung der Farn – und Blütenpflanzen durchgeführt. An dieser Kartierung beteiligte sich auch der Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Württembergs (AHO).

Als Mitglied des AHO hat Helmut Läpple, insbesondere um den Kenntnisstand der Verbreitung der Orchideen in seiner unmittelbaren Heimat – er ist seit fast 60 Jahren in Rastatt beheimatet - zu verbessern, eine detailliert Orchideen-Kartierung begonnen.

 

Wie groß ist Ihr Bearbeitungsgebiet?

Es umfasst ca. 879 Quadratkilometer (die Landkreise Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden).

 

Welche Arten kommen im Wirkungsbereich der Umweltstiftung (Stadt Rastatt mit den Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggenstum) vor?

Von Helmut Läpple konnten nachgewiesen werden (Links hier jeweils auf die Webseite 'Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Württemberg'):

>> Anacamptis pyramidalis Pyramidenorchis

>> Cephalanthera damasonium Bleiches Waldvögelein

>> Cepahlanthera longifolia Langblättriges Waldvögelein

>> Cephalanthera rubra Rotes Waldvögelein

>> Dactylorhiza majalis Breitblättriges Knabenkraut

>> Dactylorhiza incarnata Fleischfarbenes Knabenkraut >> Pflanze des Monats Mai 2015 der Umweltstiftung Rastatt

>> Dactylorhiza fuchsii Geflecktes Knabenkraut

>> Epipactis helleborine Breitblättrige Stendelwurz

>> Epipactis microphylla Kleinblättrige Stendelwurz (verschollen)

>> Epipactis palustris Sumpf-Stendelwurz

>> Gymnadenia conopsea Mücken-Händelwurz

>> Listera ovata Großes Zweiblatt

>> Neottia nidus-avis Vogelnestwurz

>> Ophrys apifera Bienenragwurz

>> Orchis militaris Helm-Knabenkraut

>> Orchis purpurea Purpurknabenkraut (Anm.: >> Pflanze des Monats Mai 2013 der Umweltstiftung Rastatt]

>> Plathanthera bifolia Zweiblättrige Waldhyazinthe

 

Einfügung der Umweltstiftung Rastatt v. 28.05.2013:

Orchideen-Neufunde im Wirkungskreis der Umweltstiftung Rastatt im Mai 2013:

>> Himantoglossum hricinum Bocks-Riemenzunge

>> Ophrys sphegodes Spinnen-Ragwurz

 

Im übrigen Landkreis Rastatt (außerhalb des Wirkungskreises der Umweltstiftung) und Stadtkreis Baden-Baden kommen darüber hinaus weitere acht Arten vor.

 

Wo befinden sich besonders artenreiche Vorkommen im Wirkungsbereich der Umweltstiftung?

Besonders viele Orchideen kommen auf den Rheinhochwasserdeichen vor.

Welches ist die seltenste Orchidee im Wirkungsbereich der Umweltstiftung?

Es ist die Kleinblütige Stendelwurz (Epipactis microhphylla). Diese konnte bei der Kartierung in den Jahren 1987 – 1994 noch gefunden werden; wurde danach jedoch nicht mehr beobachtet.

 

Gibt es Arten, die sich in den letzten Jahren ausgebreitet haben?

Ja, hier zu nennen sind vor allem die Pyramidenorchis, die Bienenragwurz und die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die erstmals 2009 im Gebiet aufgetaucht ist; Grund für die Ausbreitung könnte die Klimaveränderung sein.

 

Welche Orchideenart, die in unserer näheren Umgebung vorkommt, liegt Ihnen besonders am Herzen?

Helmut Läpple hat hier keinen eindeutigen Favoriten. Er erwähnt das Purpurknabenkraut aufgrund dessen Seltenheit und das Rote Waldvögelein.

 

Schutzstatus der Orchideen?

Viele Orchideen sind selten und einige sogar wahre Raritäten. Alle heimischen Orchideen stehen unter Naturschutz und sind zusätzlich noch durch das internationale Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt. Es ist also strengstens und unter Strafe verboten, unsere Orchideen zu pflücken, auszugraben oder sonst zu schädigen.

 

Wodurch sind unsere heimischen Orchideen gefährdet?

Gefährdet sind unsere Orchideen u.a. durch:

- Gedankenloses Pflücken

- Ausgraben

- Unachtsamkeit, Unwissenheit (z.B. sind Holzablagerungen auf Orchideenstandorten nicht selten)

- Verlust ihrer natürlichen Lebensräume (Landschaftsverbrauch, intensive Land- und Forstwirtschaft), Aufgabe der Bewirtschaftung

- nicht angemessene Biotoppflege

- aber auch durch Wildschweine, für die die Knollen der Orchideen ein Leckerbissen darstellen.

 

Wie kann man zum Schutz der heimischen Orchideen beitragen?

Durch die optimale Pflege der Lebensräume, in denen Orchideen vorkommen. Allein der Schutz der Biotope sichert den Erhalt der Orchideenvorkommen!

 

An wen kann man sich wenden, wenn man eine seltene Orchidee findet?

Der genaue Fundort sollte Helmut Läpple mitgeteilt werden.

 

An wen kann man sich wenden, wenn man sich näher mit Orchideen beschäftigen möchte?

An den Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Württembergs (AHO) (siehe www.orchids.de/) Ziele des Arbeitskreises Heimische Orchideen Baden-Württemberg sind u.a.:

- Den Naturschutzgedanken zu verbreiten und durch Pflege und Überwachung der Orchideen-Wuchsorte einen aktiven Beitrag zu deren Schutz im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und der Naturschutzgesetze der Länder zu leisten.

- Die in Baden-Württemberg vorkommenden Orchideen und ihre vorhandenen und erloschenen Wuchsorte zu kartieren und in einer Zentralkartei zu dokumentieren.

 

Sie sind nicht nur ein ausgewiesener Orchideenkenner unserer Region, sondern europaweit in Sachen „Orchideen“ aktiv! Wo überall haben Sie schon nach Orchideen geforscht?

Spanien (Andalusien, Mallorca, Teneriffa, Gran Canaria)

Portugal (Algarve)

Italien (Sizilien)

Griechenland (Peloponnes, Zakynthos, Hydra, Naxos, Paros, Rhodos, Kreta)

Irland

Österreich

Kroatien

Montenegro

Türkei

Israel

Zypern

 

Anekdote / Besonderes Erlebnis?

Um die Kotschys-Ragwurz an ihrem natürlichen Standort zu sehen, ist Helmut Läpple extra nach Zypern gereist und wurden wegen dieser Orchidee von der Polizei festgenommen und verhört:

Die Kotschys-Ragwurz (Ophrys kotschyi) ist eine Orchideenart, die nur auf Zypern vorkommt. Helmut Läpple wollte bei einer Reise nach Zypern diese Orchidee in ihrem natürlichen Lebensraum sehen und suchte deshalb den Wuchsort der Pflanze auf und machte dort Fotoaufnahmen, ohne zu wissen, dass er sich auf einem militärisch genutztem Gebiet befindet. Er wurde von Mitgliedern der Zyprischen Streitkräfte beobachtet. Helmut Läpple staunte nicht schlecht, als unvermittelt neben ihm zwei olivgrün gekleidete Soldaten mit Maschinenpistole im Anschlag standen, ihn festnahmen und zur nächsten Polizeistation brachten. Dort musste er sich einem Verhör stellen. Erst als er dem Polizeibeamten erläuterte, dass er lediglich die Absicht hatte, die Kotschys-Ragwurz zu fotografieren und diesem verständlich machte, dass die Orchidee eine außergewöhnliche Rarität ist, die auf der ganzen Welt einzig und allein nur in Zypern vorkommt (sozusagen der „Stolz von Zypern“ ist), erhellte sich der finstere Gesichtsausdruck des Polizisten. Ergriffen von Nationalstolz stellte der Polizist daraufhin Helmut Läpple bereitwillig Kontaktdaten des Zypriotischen Landwirtschaftsministeriums, das auch für Naturschutzangelegenheiten zuständig ist, zur Verfügung. Wermutstropfen war: wie sich später herausstellte war die Kamera von Helmut Läpple während der Aufnahmen der Kotschys-Ragwurz defekt. Somit war die ganze Aufregung umsonst!

 

Profi-Wissen

Informationen entnommen aus „Orchideen im Kaiserstuhl“ Herausgeber: Naturschutzzentrum Kaiserstuhl Text/Konzeption Rheinhold Treiber:

Weltweit gibt es 25 – 30.000 Orchideenarten. Sie sind in nahezu allen Vegetationstypen und Höhenstufen verbreitet.

90% der Arten wachsen in den Tropen und Subtropen. Viele Arten leben in Baumkronen als Epiphyten (Epiphyten oder Aufsitzerpflanzen bezeichnet man Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen). Die Vanille ist eine der bekanntesten Orchideenarten.

In Deutschland leben rund 60 Orchideenarten, 25 davon im Landkreis Rastatt/Stadtkreis Baden-Baden.

Orchideensamen sind staubfein – sie enthalten kaum Nährgewebe. Zur Keimung und zum Aufwachsen sind sie auf Pilze angewiesen. Manche Orchideen wie die Nestwurz gehen eine lebenslange Symbiose mit Pilzen ein und benötigen deshalb kein eigenes Blattgrün zur Energiegewinnung.

Ragwurz-Arten bieten als Sexualtäuschblumen für Insektenmännchen durch Duft, Aussehen und Berührungsreize den perfekten „Schein eines Weibchens“.

 

Links? Lektüre? weitere Infos?

>> Arbeitskreis Heimische Orchideen Baden-Württemberg

Arbeitskreise Heimische Orchideen (Hrsg.) (2005): Die Orchideen Deutschlands

Pierre Delforge (2005): Guide des orchidées d’Europe, d’Afrique et du Proche-Orient

Baumann, Künkele, Lorenz (2006): Die Orchideen Europas Horst

Kretschmar (2008): Die Orchideen Deutschlands und angrenzender Länder

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