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Die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gewöhnliche Nachtkerze - Pflanze des Monats Juni 2016

Die Pflanze für Nachtschwärmer

Die Nachtkerze ist die ideale Pflanze für Nachtschwärmer. Foto: Stadt Rastatt.

Zur Pflanze des Monats Juni 2016 hat die Umweltstiftung Rastatt die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) gewählt. Die Nachtkerze schmückt sich zur Sommerzeit mit Blüten, die aus vier intensiv gelb gefärbten Kronblättern bestehen. Sie ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr unscheinbar sprießt im darauffolgenden Jahr ein kerzengerader Stängel empor und es entwickeln sich wunderschöne Blüten. Die Pflanze kann Wuchshöhen von 0,8 bis 1,8 Meter erreichen.

Die Nachtkerze ist ein echter „Pionier“

Gerne besiedelt sie trockene und sandige Böden. Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind die Stadt Rastatt und die umliegenden Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggensturm, findet sie sich gerne an sogenannten Ruderalstandorten wie Wegränder, Kies- und Sandgruben, Schutthalden und auf Ödland, also dort, wo man kaum das Wachsen einer so schönen Pflanze erwarten würde. Als Pionierpflanze schmückt sie mit ihren gelben Blüten auch die Gleisanlagen am Rastatter Bahnhof, kommt aber gerne auch auf Industriegelände vor.

Einwanderer aus Nordamerika

Die Heimat der Nachtkerzengewächse ist Nordamerika. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde auch die Gewöhnliche Nachtkerze nach Europa gebracht, wo man sie als Zierpflanze in Parks und Gärten kultivierte. Von da verwilderte die anspruchslose Pflanze. Heutzutage ist sie in Europa weit verbreitet und wird von den meisten Menschen als einheimische Art wahrgenommen. Die Nachtkerze eignet sich besonders für naturnahe Gartenanlagen und Bauerngärten und darf in keinem Heilpflanzengarten fehlen.

Die Pflanze ist „nachtaktiv“

Sie ist die ideale Pflanze für die Nachtschwärmer unter den Pflanzenliebhabern. Denn: Dann wenn andere Pflanzen schon lange schlafen, erwacht die Nachtkerze. Dieser nächtlichen Blütezeit hat die Nachtkerze auch ihren Namen zu verdanken. Mit Beginn der Abenddämmerung findet ein wunderschönes Naturschauspiel statt. In beeindruckender Weise entfalten sich die einzelnen Blüten innerhalb weniger Minuten. Nach dem vollständigen Öffnen der Blüten duftet die Nachtkerze intensiv süßlich.Die einzelnen leuchtend gelben Blüten sind sehr kurzlebig. Meistens sind sie bis zum nächsten Mittag, spätestens am nächsten Morgen verblüht. Dennoch kann man die großen, gelben Blüten den ganzen Sommer beobachten. Viele Blüten sitzen an dem langen Blütenstängel wie an einer langen Ähre. Nacheinander entwickeln sich von unten nach oben ständig neue Blüten, so dass immer gelbe Farbtupfer zu bewundern sind. Insgesamt dauert die Blütezeit der Nachtkerzen von Juni bis September. Die Befruchtung überlassen die Nachtkerzen am liebsten nachtaktiven, langrüsseligen Faltern, die angelockt durch den intensiven Duft der Blüte den Nektar aus der Blütenröhre saugen. Aufgrund der leuchtend gelben Farbe stellen sich aber auch bei Tag Hummeln, Bienen und Tagfalter ein.

Die Nachtkerze als Jungbrunnen

Bei der Nachtkerze haben wir es mit einer durchaus prominenten Heilerin zu tun. Bereits die nordamerikanischen Ureinwohner verwendeten die zu Brei zerstampften Samen als Heilmittel. In der Naturheilkunde ist heute vor allem das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl, welches reich an Gamma-Linolensäure ist, von Bedeutung. Es bewirkt eine straffere und „jüngere“ Haut und wird eingesetzt auf rissigen, trockenen Hautstellen, zur Linderung von Neurodermitis und bei Hautreizungen. Eine lange Tradition hat die Nachtkerze auch in der Frauenheilkunde und wird bei Wechseljahrbeschwerden verwendet.

Kräftigendes Wurzelgemüse

Bereits die Indianer Nordamerikas schätzten die Nachtkerze vor über 500 Jahren als kräftigendes Gemüse. Die Pflanze spielte nach deren Ausbreitung in Europa in der Küche eine gewisse Rolle, denn ihre fleischige Pfahlwurzel, auch Rapontika genannt, ist essbar. Die Wurzel wurde entweder als Gemüse zubereitet oder in dünne Scheiben geschnitten als Salat gegessen. Neben den rübenförmigen Wurzeln sind auch die Blätter, Blüten und Samen essbar.