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Interview mit Heinz Zoller, NaturFreunde Rastatt

Heinz Zoller, Vorsitzender der NaturFreunde Rastatt, wurde von Maria Pathe und Linda Bertet vom Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) der Stadt Rastatt zu seinen Tätigkeiten bei den Naturfreunden interviewt.

 

Kontaktdaten

Heinz Zoller

Fliederweg 13, 76437 Rastatt

Tel. (privat): 07222/20665

Email: heinz.zoller (at) web.de

Heinz Zoller ist am besten per Email zu erreichen.

 

Was ist Ihr persönlicher Tätigkeitsbereich im Verein?

Zusammen mit Uschi Böss-Walter bin ich Vorsitzender der NaturFreunde Rastatt. Seit 5 Jahren haben wir im Verein eine Doppelspitze und sind momentan in der dritten Amtsperiode.

Ich leite den Wanderbereich, kümmere mich um den Bereich Naturschutz (Rheinauen-Portal, Informationsdienst „Rheinauen-Aktuell“, AG Mensch & Natur …). Dabei liegen mir die Rheinauen besonders am Herzen.

An der Naturerlebnisstation NEST

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Am 31.12.2012 waren es 333.

 

Wie kann man Mitglied werden?

Anmeldeformulare gibt es im Internet auf der Homepage der NaturFreunde Rastatt.

 

Welches sind die Tätigkeiten des Vereins?

Es gibt drei Areale: Das Vereinsheim an der Murg, das Wanderheim Bonora im Nordschwarzwald an der Roten Lache bei Baden-Baden und den Freizeitplatz auf der Raukehl bei Plittersdorf.

Wir haben Natursportgruppen: Radsport, Wandersport und Wassersport.

Dazu kommen altersspezifische Gruppen, wie die Kindergruppe Umweltdetektive, die Jugendgruppe, die jungen Familien, eine Seniorengruppe, eine Frauengruppe, eine Qigong-Gruppe und dann gibt es noch den Kulturbereich.

Außerdem betreiben wir umweltverträglichen Tourismus. Diese Vielseitigkeit zeichnet die Naturfreunde gegenüber anderen Vereinen aus.

Im Familienkanadier an der Raukehl

Sie haben Verbindungen nach Afrika. Wie kam es dazu und was tun Sie dort?

Eine Delegation der Naturfreunde aus Senegal hat auf der Durchreise in Rastatt Halt gemacht und die Fotovoltaikanlage auf dem Vereinsheim an der Murg besichtigt; schnell wurde Freundschaft geschlossen und die Partnerschaft spontan per Handschlag besiegelt.

Die senegalesischen Naturfreunde sind dort sehr aktiv. Sie forsten Wüstengebiete auf und haben ein Projekt mit Frauen ins Leben gerufen, die Fruchtsaft verkaufen, was sonst dort nicht gemacht wird. Die Konservierung von Fruchtsäften ist innovativ für die Region.

Durch diese Projektarbeit tragen sie dazu bei, eine Infrastruktur aufzubauen.

Gemeinsames Ziel ist es, die Lebensgrundlage von gerade auch jungen Leuten zu verbessern und der Auswanderung junger Leute entgegenzuwirken.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir dort auch die Einrichtung eines Kinderhorts unterstützt, der größtenteils mittels Spenden finanziert wird.

 

Wie steht es um die Jugend in Ihrem Verein?

Der Verein ist schon lange stark überaltert. Ein vordringliches Ziel ist es, den Verein zu verjüngen. Aus diesem Grund haben wir Kinder- und Jugendgruppen ins Leben gerufen.

Der Landesverband hat eine sehr aktive Jugend mit eigener Leitung; er veranstaltet jedes Jahr ein Pfingstcamp, an dem rund 400 Jugendliche aus verschiedenen Ländern teilnehmen.

 

Gibt es ein aktuelles Projekt, über das Sie uns etwas erzählen möchten?

Ein Projekt über das ich berichten möchte, ist die Pflanzung von Wildreben. Die Wildrebe ist die Urform der Kulturrebe. Früher kam sie zu tausenden in den Rheinauen vor. Heute gibt es am Oberrhein nur noch ca. 50 Exemplare.

Die Wildrebe hat gewisse Resistenzen, die eventuell für den Weinanbau wichtig sein können. Deshalb versucht man sie wieder zu reaktivieren. Im Botanischen Institut in Karlsruhe und im Geilweiler Hof, einem Institut für Rebenzüchtung in der Pfalz, wurden Jungpflanzen herangezogen, die in den Rheinauen wieder ausgebracht werden.

Unser Anliegen ist am Beispiel dieser Pflanze auf das Thema Artenschutz und Artenvielfalt aufmerksam zu machen. 

Wildrebenpflanzaktion am 6. März 2013 an der Raukehl

Ist die Auswilderung von Wildreben erfolgreich?

An einigen Stellen wurden Wildreben ausgebracht, aber es dauert ein, zwei Jahre bis sich herausstellt ob sie anwachsen.

Vor einigen Jahren wurden in den Rastatter Rheinauen schon einmal Reben gepflanzt. Leider musste man später feststellen, dass es Hybriden waren. Nun muss darauf geachtet werden, dass in der Nähe dieser Hybriden keine echten Wildreben ausgebracht werden. Ziel ist es, die Hybriden zu entfernen.

 

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Zweifellos die Rheinauen. Hier bin ich aufgewachsen; meine Vorfahren stammen aus dem Rastatter Ried.

Außerdem die Naturerlebnisstation NEST an der Raukehl im Naturschutzgebiet Rastatter Rheinaue. Deren Ziel ist, jungen Menschen die Natur näher zu bringen; ihnen die Möglichkeit zu geben, Natur zu erfahren.

 

Erzählen Sie etwas Näheres zur Naturerlebnisstation (NEST) an der Raukehl

Hinter NEST steckt eine naturpädagogische Konzeption. Unsere Überzeugung ist, dass Kinder, die Natur erleben und Natur erfahren, einen ganz anderen Bezug zu Natur bekommen und letztendlich auch eher bereit sind, die Natur zu schützen. Nicht die Vermittlung von Naturwissen steht für uns an erster Stelle, sondern die Naturerfahrung.

Bisher war das Gelände an der Raukehl ein Freizeitplatz ohne inhaltlichen Anspruch. Wir sind dabei dem einen Inhalt zu geben und die naturpädagogischen Aktivitäten zu verstärken. Der Platz liegt inmitten eines Naturschutzgebietes, d. h. man muss sehr viel Rücksicht auf die Umgebung nehmen. Aus diesem Grund wird der Platz auch nicht vermietet.

Im Mai gibt es einen Aktionstag mit Bootstouren und Wasserstationen. Hier ist unser Mitarbeiter vom Bundesfreiwilligendienst, Holger Kiefl, stark eingebunden. An einem Wochenende im August findet ein Familiencamp statt, mit Kanufahrten und Exkursionen.

Momentan bearbeite ich das Thema „Faszination Vogelzug“ und erkunde in diesem Zusammenhang das Sauerdelta auf der gegenüberliegenden Rheinseite im Elsass. Dieses Naturschutzgebiet bietet sich in idealer Weise für Familienausflüge an. 

Stockbrot an der Raukehl

Was war Ihr persönlicher Anlass im Umweltschutz tätig zu werden?

Wie schon erwähnt bin ich in den Rheinauen aufgewachsen und habe deshalb einen tiefen Bezug zu den Rheinauen und zur Natur.

Es gibt einen weiteren Grund: meine berufliche Tätigkeit in der Informatik an der Universität Karlsruhe war immer begleitet von Gewerkschafts- und Personalratsarbeit. Ich finde es wichtig, sich zu engagieren, sei es im Betrieb oder in der Freizeit. Und so wie Gewerkschaftsarbeit bedeutet, sich für die Belegschaft einzusetzen, genauso war es für mich auch immer klar, dass ich nicht nur die Schönheit der Natur betrachte, sondern sie auch erhalten und schützen will.

 

Können Sie mir etwas über die grundlegende Philosophie der NaturFreunde sagen?

Man muss wissen dass der Verein über 100 Jahre alt ist und in der Wiener Arbeiterbewegung entstanden ist. Das ursprüngliche Ziel war, den Arbeitern, die kaum Freizeit hatten, die Möglichkeit zu bieten, in den Häusern der NaturFreunde Freizeit zu verbringen und dort Bildungsarbeit zu machen. Noch heute ist der gängige Gruß der Naturfreunde „Berg frei“. Damals war es dem einfachen Volk verboten, auf die Berge zu gehen. Diese befanden sich in Privatbesitz. Erst die Arbeiterbewegung hat sich dieses Recht erkämpft.

 

Links

>> naturfreunde-rastatt.de

>> naturfreunde-rastatt.de/zukunft/

>> naturfreunde-rastatt.de/rheinauen/

>> naturfreunde-rastatt.de/wandern/

Auf Wiedersehen, z.B. bei einer Kanufahrt auf dem Kleinen Bärensee

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