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Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba)

Gemeine Waldrebe - Pflanze des Monats Dezember 2015

Die heimische Clematis - eine der wenigen Lianen Europas

Foto: Thorsten Fuchs

Zur Pflanze des Monats Dezember hat die Umweltstiftung Rastatt die Gewöhnliche Waldrebe gewählt.

Pionierpflanze in unseren Auenwäldern

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind neben der Stadt Rastatt die Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Muggensturm, trifft man die Pionierpflanze fast überall an, bevorzugt in Waldrandlagen unserer Auenwälder, wo sie nicht selten dichte Vorhänge bildet und dem Wald einen richtigen Urwaldcharakter verleiht. Sie kommt gerne auch auf Waldlichtungen, in Hecken und in verwilderten Stadtgrundstücken vor.

Gehört wie Christrose und Küchenschelle zur Familie der Hahnenfußgewächse

Die Waldrebe gehört zu den Hahnenfußgewächsen. In diese Pflanzenfamilie gehören auch Christrose, Küchenschelle, Buschwindröschen und Scharbockskraut.

Flauschige Fruchtstände für die Floristik

Besonders fällt die Waldrebe im Herbst und Winter durch ihre silbrigen, wolligen, wattebauschähnlichen Fruchtstände auf. Diese werden aus vielen kleinen, braunen Nüsschen, die mit etwa 3 Zentimeter langen federig behaarten Flugorganen ausgestattet sind, gebildet.

Old man's beard - auf Deutsch „Bart des alten Mannes“: so nennt man die Pflanze in England aufgrund ihrer silbrig schimmernden Fruchtstände, die wie weiß-graue Haare aussehen.

Die weichen Clematis-Fruchtstände, die das kahle Geäst der winterlichen Hecken zieren, eignen sich hervorragend als Grundlage für viele Herbst- und Winterdekorationen.

Eine der wenigen Lianen Mitteleuropas

Die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), ist ein wahrer Kletterkünstler und eine der wenigen Lianen Mitteleuropas. Der lateinische Name Clematis wird abgeleitet vom griechischen Wort Kléma, was Ranke bedeutet. Die starkwüchsige linkswindende Schlingpflanze klettert an Bäumen bis in eine Höhe von rund 10 bis 15 Metern empor. Aufgrund ihres intensiven Längenwachstums kann sie Bäume und Sträucher in relativ kurzer Zeit überwachsen. Dabei fungieren die Stiele und die Spindel der Fiederblätter als Ranken.

Dass die Waldrebe die Wirtspflanze im Lichtgenuss schmälert, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Insbesondere auf Verjüngungsflächen im Wald kann sie sich stark ausbreiten und Schäden anrichten. Für die älteren Bäume bleibt die Waldrebe in der Regel ungefährlich. Besondere Bedeutung kommt ihr bei der Erhaltung unserer typischen Waldfauna zu, ein Umstand, der nicht zu gering eingeschätzt werden darf. Für zahlreiche Insekten ist sie bevorzugtes Biotop. In ihrem Geranke finden Singvögel gute Brutstellen und kleinere Säuger einen sicheren Unterschlupf. Der sich in Streifen lösende Bast und die lang behaarten Früchte werden von vielen Vogelarten zum Nestbau verwendet.

Nahrungspflanze für zahlreiche Schmetterlingsraupen

Nachgewiesen ist, dass an der Gewöhnlichen Waldrebe über 30 verschiedene Schmetterlingsraupen fressen, sieben davon ernähren sich ausschließlich (monophag) von Blättern der gewöhnlichen Waldrebe.

Clematis vitalba, Foto: Larissa Panella, FÖJ der Stadt Rastatt

Blütezeit ist vom Juni bis September

Die Gewöhnliche Waldrebe, auch Echte Waldrebe oder Wilde Clematis genannt, blüht lange und spät, vom Juni bis in den August/September. Während ihrer Blütezeit trägt sie zahlreiche kleine grünlichweiße schwach duftende Blüten, welche in kleinen hübschen Arrangements von fünf bis sieben Einzelblüten wachsen. Die unangenehm nach Weißdorn riechenden Blüten werden von Zweiflüglern und Käfern, die von Duftstoffen angelockt werden, besucht. Auch von Bienen werden diese gerne als Pollenspender genutzt.

Aus den Blüten gehen zahlreiche kleine, braune, längliche Nüsschen hervor. Erst im Winter reifen die Nüsschen aus. Im Frühjahr können die behaarten Clematis-Samen - angetrieben vom Wind - weite Distanzen zurücklegen und anschließend fern von der Mutterpflanze neues Territorium erobern.

Die Waldrebe enthält Giftstoffe

In der Heilkunde spielt die Waldrebe keine sehr große Rolle. Alle Pflanzenteile enthalten das Gift Protoanemonin, das auch in vielen anderen Hahnenfußgewächsen enthalten ist. Der Pflanzensaft reizt die Haut, er kann zur Hautrötungen, Juckreiz und zur Blasenbildung führen. Der Giftstoff baut sich jedoch komplett ab, wenn die Pflanze gekocht oder getrocknet wird.

In der Homöopathie und für die Herstellung von Bachblüten verwendet

Das Hahnenfußgewächs wird in der Homöopathie eingesetzt. Dort wird es z.B. bei Hautproblemen, rheumatischen und neuralgischen Schmerzen eingesetzt.

Als Bachblüte soll die Gewöhnliche Weinrebe bei Verträumtheit und geistiger Abwesenheit helfen und als Bestandteil von Notfalltropfen empfiehlt Dr. Eward Bach sie zusammen mit Gelbem Sonnenröschen, Doldigem Milchstern, Springkraut und der Kirschpflaume als hilfreiches Mittel zur Überwindung von Schockzuständen.

Waldreben als Zierpflanzen

Weltweit gibt es rund 250 bis 300 Clematis-Arten. Verschiedene großblütige Arten bzw. ihre Hybriden werden gerne als Zierpflanzen in Gärten, insbesondere zur Hausbegrünung, kultiviert. Als sehr robuste, wüchsige Kletterpflanzen, eignen sie sich gut, um Pergolen und Mauern zu begrünen. Dabei erfreuen sich insbesondere die großblumigen Hybriden, die durch intensive Kreuzung verschiedener Clematis-Arten entstanden sind, wegen ihrer großen, farbenfrohen Blüten großer Beliebtheit.