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Wilde Karde (Dipsacus fullonum)

Wilde Karde - Pflanze des Monats Januar 2017

Eine stachelige Schönheit

Die Wilde Karde wird leicht mit einer Diestel verwechselt. Foto:Helena Hamann/Stadt Rastatt.

Zur Pflanze des Monats Januar 2017 hat die Umweltstiftung Rastatt die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) gewählt. Sie ist eine stachelige Schönheit - sowohl ihr Stängel als auch ihre Blätter sind mit zahlreichen Stacheln bewehrt. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeergebiet, ist aber bei uns schon sehr lange heimisch. Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind die Stadt Rastatt und die umliegenden Gemeinden Steinmauern, Ötigheim, Muggensturm und Iffezheim, findet man sie an sonnigen Stellen in Unkrautfluren, auf Schuttflächen, an Wegrändern und Dämmen. Die stattliche Pflanze kann  leicht mit einer Distel verwechselt werden, zählt aber zu den Kardengewächsen. Sie erreicht eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern.

Lieblingspflanze von Insekten

Die Wilde Karde ist eine zweijährige Pflanze. Sie bildet im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette. Erst im zweiten Jahr erscheinen der Stängel und die stacheligen, eiförmigen Blütenköpfchen. Die Blütezeit ist von Juni bis August. Die Blüten sind bläulich oder lila, in seltenen Fällen auch weiß. Sie öffnen sich zuerst in der Mitte und bilden einen Kranz. Der Bereich der geöffneten Blüten wandert gleichmäßig sowohl nach oben als auch nach unten. Dadurch entstehen zwei Ringe offener Blüten. Die Blüten werden von zahlreichen Insekten besucht, aber lediglich Insekten mit langem Rüssel beispielsweise Hummeln, Schmetterlinge oder Schwebfliegen gelangen an den süßen Nektar der Pflanze. Der Fruchtstand der Karde – ein Kunstwerk der Natur Nach der Blütezeit stirbt die Pflanze ab. Der abgestorbene Stängel mit dem Fruchtstand bleibt den ganzen Winter bis zum nächsten Frühjahr stehen. Der Raureif macht im Winter aus dem Fruchtstand der Karde ein Kunstwerk der Natur.

Das von der Karde gesammelte Regenwasser diente als Schönheitselixier

Die Stängelblätter der Karde sind an ihrer Basis paarweise miteinander verwachsen, sodass sich um den Stängel herum eine Mulde bildet. Bei Regen füllen sich diese kleinen Wassersammelbecken. Hier können sich Vögel und Insekten mit Wasser versorgen. Man vermutet außerdem, dass diese Wasserbecken als Schutz vor am Stiel entlang krabbelnden Ameisen gedacht sind. Im Mittelalter soll dieses Wasser auch für kosmetische Zwecke, als Schönheitswasser, verwendet worden sein. Zudem können Wanderer ihren Wasservorrat nutzen, um ihren Durst zu stillen.

Die Wilde Karde – eine Nutzpflanze

Die Wilde Karde ist eine Nutzpflanze. Ihre borstigen Blütenköpfe dienten getrocknet früher zum Kämmen der Wolle vor dem Spinnen und zum Aufrauen von Wollstoffen, bevor es dafür Maschinen gab. Hauptsächlich wurde dafür aber die Weber-Karde (Dipsacus sativus) verwendet, die eigens dafür angebaut wurde und nur aus Kultur bekannt ist. Die Borsten ihrer Blütenköpfe (es sind botanisch gesehen die Tragblätter der Einzelblüten) sind kürzer, steifer und an der Spitze umgebogen, alles günstige Eigenschaften für ihre Verwendung bei der Wollbearbeitung. Vermutlich ist die Weber-Karde durch menschliche Selektion direkt aus der Wilden Karde oder einer nahe verwandten Art entstanden. Doch nicht nur als Nutzpflanze, auch zur Zierde findet die Wilde Karde mit ihren dekorativen getrockneten Blütenständen in einem Gesteck oder Trockenstrauß Verwendung.