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Das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)

Pflanze des Monats Juni 2017 - Das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)

Orchidee mit geschlossenen Blüten

Die Blüten der Pflanze sind fast immer geschlossen. Foto: Stadt Rastatt.

Zur Pflanze des Monats Juni 2017 hat die Umweltstiftung Rastatt das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) gewählt. Ihr Name rührt daher, dass ihre weißen Blüten im geöffneten Zustand an den Umriss eines Vogels im Flug erinnern.

Die Pflanze wird auch Bleiches Waldvöglein oder Breitblatt-Waldvöglein genannt. Das Waldvöglein mag Laub-, Nadel- und Mischwald mit kalkreichem Boden, daher ist sie im Norden Deutschlands, im Schwarz- und Bayerischen Wald eher selten anzutreffen. Am häufigsten findet man sie hierzulande entlang des Rheins.

In Baden-Württemberg gilt die Orchidee als nicht gefährdet, dennoch ist sie wie alle heimischen Orchideen besonders geschützt. Im Landkreis Rastatt kommen neben dem Weißen Waldvöglein auch noch seine nahen Verwandten, das Langblättrige Waldvöglein und das Rote Waldvöglein, vor. Alle drei Arten sind selten und die Vorkommen unbeständig. Das Weiße Waldvöglein findet man nur noch vereinzelt am Wegesrand.

Die Blütezeit ist von Mai bis Juni

Außerhalb ihrer Blütezeit ist die schlanke Pflanze ¬ die bis zu 60 Zentimeter hoch wird ¬ unscheinbar. Dies ändert sich zwischen Mai und Juni, wenn die weißen oder cremefarbenen Blüten beginnen zu knospen. In der Regel sind die Blüten der Orchidee halb geschlossen. Erst bei Temperaturen über 25 Grad Celsius öffnet sie diese vollständig.

Das Waldvöglein ist nicht auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen sondern befruchtet sich hauptsächlich selbst. Die Samen des Waldvögleins sind größer als die der meisten anderen einheimischen Waldvögleinarten. Wie bei Orchideengewächsen typisch, enthalten auch seine Samen keine eigenen Nährstoffvorräte, sondern sind auf den Pflanzenembryo reduziert. Um keimen und wachsen zu können, sind die winzigen Pflanzen deshalb auf eine Mykorrhiza, also eine Symbiose mit Pilzen, angewiesen.

Die Pflanze lebt mit Pilzen in Symbiose

Auch nach dem Keimen ist die Pflanze auf die Pilzsymbiose angewiesen, wie man an ihren teilweise sehr dunklen Standorten und den gelegentlich chlorophyllfreien Vertretern ihrer Art erkennen kann. Auch die grünen Individuen ziehen rund die Hälfte ihres Kohlenstoffes aus ihren Wurzelpilzen, unter denen wiederum viele Arten sind, die auch mit umliegenden Bäumen eine Symbiose eingehen. Das Weiße Waldvöglein steht zwischen autotrophen (Photosynthese betreibenden) grünen Orchideen und myko-heterotrophen (durch Pilze ernährten) bleichen Arten. Eine solche Mischform wird als partielle Mykoheterotrophie oder Mixotrophie bezeichnet.

Wichtig für den Erhalt der Pflanze sind laut dem Arbeitskreis Heimische Orchideen eine rücksichtsvolle Waldwirtschaft mit einer maßvollen Durchforstung und der Erhalt von Altbäumen.