• DE

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.)

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.)

Kühlschrank für den Gerstensaft

Die Rosskastanie urde früher zur Bierkühlung eingesetzt. Foto: Stadt Rastatt.

Zur Pflanze des Monats September hat die Umweltstiftung Rastatt die gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.) gekürt.

Die Rosskastanie gehört zu den Lieblingsbäumen der Kinder. Besonders deren Samen, die Kastanien, sind beliebt als Sammelobjekt und für das Basteln von Kastanienfiguren. Im Herbst sieht man deshalb unter den großen Bäumen häufig Kinder auf Kastanienjagd.

Obwohl die Kastanie bei uns mittlerweile weit verbreitet und aus Parks und Biergärten kaum mehr wegzudenken ist, ist sie hier nicht ursprünglich heimisch. Im Jahre 1576 wurden Samen der Pflanze nach Wien gebracht, wo Carolus Clusius sie anpflanzte. Mit dem Versand der Samen sorgte er für die Verbreitung der Pflanze in ganz Europa, wo sie sich schnell zum Modebaum in fürstlichen Parks und Alleen entwickelte.

Anders als ihr Name suggeriert, handelt es sich bei der Rosskastanie nicht um eine Kastanienart, sondern um ein Seifenbaumgewächs, ist also nah mit dem Ahorn verwandt. Die Bezeichnung „Kastanie“ ist zurückzuführen auf die große Ähnlichkeit der Früchte zu denen der Edel- oder Esskastanie. Im Gegensatz zu diesen ist ihr Verzehr für den Menschen aber nicht empfehlenswert. Der Namensteil „Ross“ leitet sich vermutlich daraus ab, dass ihre Früchte früher von den Osmanen, die auch zur Verbreitung der Art beitrugen, zur Fütterung ihrer Pferde und als Mittel gegen Pferdehusten eingesetzt wurden.

Die Samen der Rosskastanie haben einen hohen Stärkegehalt und werden deswegen als Vieh- und Wildfutter und in Notzeiten zur Mehlherstellung und als Kaffeeersatz verwendet. Benutzt wird die Kastanie außerdem für kosmetische Produkte, Farben, Schäume und bei der Herstellung einiger Medikamente.

In der Naturheilkunde finden Inhaltsstoffe von Rinde, Blättern, Blüten und Früchten Verwendung. Man sagt der Kastanie eine durchblutungsfördernde Wirkung nach und Gletschersalben gegen Sonnenbrand enthalten meist Extrakte aus ihren Knospen. In der Astrologie sind Rosskastanien dem Jupiter zugeordnet, dem Planeten der Fülle, Gesundheit und des Reichtums.

Das Holz der Rosskastanie wird nur selten verwendet, was größtenteils an dem für diesen Baum typischen verdrehten Wuchs liegt – etwa 90 Prozent der Rosskastanienstämme hat einen gedrehten Stamm, was ihr Holz für die meisten Verwendungszwecke unbrauchbar macht.

Die Rosskastanie ist oft in Biergärten anzutreffen

Früher hatten Bierbrauer das Problem, dass sie nur bis in den April hinein brauen konnten, ihr Bier aber das ganze Jahr über frisch halten mussten. Einen tiefen Keller zu graben war im Isartal wegen des nahen Grundwassers nicht möglich, weshalb die Bierbrauer stattdessen flache mit Erde überhäufte Keller bauten. Auf diese pflanzten sie zusätzlich Bäume, um die Keller so vor Sonneneinstrahlung und zusätzlicher Wärme zu schützen. Dafür war die Rosskastanie mit ihrer hohen Schattenwirkung bestens geeignet und setzte sich schnell als bevorzugter Baum durch. Als die Brauereien begannen, auf ihren Kellern und unter den Kastanienbäumen ihr Bier zum Direktverkauf anzubieten, entstand der allseits beliebte Biergarten.

Bekannter Schädling ist die Rosskastanienminiermotte

Die Rosskastanie hat hierzulande eigentlich wenig bedroht durch Schädlinge, aber einer hat in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit erregt – die Rosskastanienminiermotte. Die Larven der Miniermotte fressen sich während ihrer Entwicklung durch das Blatt, wodurch Gänge entstehen. Bei dieser Minierung trennen die Larven die Blattoberhaut vom restlichen Gewebe, sodass die Wasserversorgung unterbrochen wird und das Blatt an dieser Stelle vertrocknet und sich braun verfärbt.

Die Schäden durch die Miniermotte können so stark werden, dass selbst große alte Bäume bereits im August beginnen, ihre Blätter zu verlieren, wie es in Rastatt momentan bei den Kastanien am Murgufer zwischen Franz-Brücke und Pagodenburg zu beobachten ist. Darauf reagieren einige der Bäume, indem sie im September wieder austreiben und blühen, wobei die neuen Sprosse allerdings nicht mehr winterhart werden und absterben. Die Früchte an stark geschädigten Bäumen sind deutlich kleiner als an gesunden Bäumen von ähnlicher Größe.

In Mitteleuropa bildet die Motte meistens drei aufeinanderfolgende Generationen pro Jahr, bei günstigen Wetterbedingungen auch bis zu fünf sich überlappende, wobei es passieren kann, dass es für die letzten nicht mehr genug Blätter gibt. Die Larve verpuppt sich in einem Minengang, heftet ihren Kokon, wenn sie einen spinnt, was nicht alle tun, an die untere Blatthaut an und überwintert in ihrem Kokon, wobei sie darin auch mehrere Winter verbringen kann. Die Puppen der Miniermotte sind sehr unempfindlich gegenüber Kälte, Trockenheit, Hitze und Nässe. Sie können sogar das teilweise Verschimmeln ihrer Blätter überstehen.

Bekämpft wird die Miniermotte am besten im Herbst, wenn sie verpuppt ist. Das ist möglich durch ein Verbrennen der Blätter, Eingraben oder Schreddern. Durch letzteres können in etwa 80 Prozent der Larven getötet werden. Die Zerstörung der Miniermottenpuppen ist auch in kommerziellen Kompostanlagen, die eine hohe Temperatur erreichen, möglich. Die Temperaturen eines Gartenkompostes reichen dafür normalerweise nicht aus.

Im Stadtgebiet von Rastatt hat der Befall durch die Miniermotte im Vergleich zu früheren Jahren wieder abgenommen und es finden sich wieder einige Bestände, die gar nicht oder nur minimal befallen sind. Auch in den übrigen Bereichen ist die Stärke des Befalls – bis auf wenige Ausnahmen – zurückgegangen. Relativ stark ist der Befall entlang der Murg zwischen der Franz-Brücke und der Pagodenburg.

In Rastatt wurde dazu übergegangen, nach Möglichkeit die rotblühende Kastanienselektion zu pflanzen, da diese für die Miniermotte fast überhaupt nicht anfällig ist, wodurch auch ihrer Verbreitung entgegengewirkt werden kann. Insektizide wurden zur Bekämpfung des Schädlings in Rastatt vonseiten der Grünflächenverwaltung und Grünpflege noch nie eingesetzt, denn das Vertrauen liegt in der intensiven Räumung des Herbstlaubes und im „Räuber-Beute-Prinzip“ und somit einer natürlichen Regulierung des Aufkommens der Kastanienminiermotte. Die derzeitigen Beobachtungen zum Mottenbefall bestärken sie in ihrer Haltung und diesem Vorgehen.