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Stieleiche (Quercus robur)

Die Stieleiche - Pflanze des Monats Januar 2015

Typischer Baum der Hartholzaue

Zur Pflanze des Monats Januar 2015 hat die Umweltstiftung Rastatt die Stieleiche gewählt. Ihr wissenschaftlicher Name, Quercus robur, bedeutet übersetzt so viel wie Stärke.

Bei uns kommt der zwischen 20 und 40 Meter hohe Baum vor allem im Bereich der artenreichen Hartholzaue vor und hat für den „Badischen Dschungel“ einen ganz besonderen Wert. Der Hartholz-Auwald befindet sich auf den höchsten Erhebungen der Aue. Dort ist die Stieleiche zusammen mit der Esche und der Feldulme die wichtigste Baumart. Harthölzer haben dort gute Wachstumsbedingungen, da das Hochwasser nicht so lange steht wie in den tieferen Bereichen der Aue – im Schnitt zwischen zwei und 50 Tagen im Jahr. Unter den Bäumen gedeiht eine dichte Schicht aus Sträuchern und Kletterpflanzen, die sich an den Bäumen empor schlängeln.

Bedeutender Baum für den Rastatter Wald

Die Stieleiche macht rund zehn Prozent des Rastatter Stadtwaldes aus. Seit dem Orkan Lothar stieg der Anteil der Stieleichen kontinuierlich, da sie in der Überflutungsaue gezielt gepflanzt wurden. Langfristig werden sie einen Anteil von rund 15 Prozent einnehmen. Derzeit kommen Stieleichen-Mischwälder auf circa 110 Hektar Fläche im Stadtwald, zukünftig werden es wohl rund 150 Hektar sein. Es ist möglich, dass sogar noch weitere Flächen langfristig zu Stieleichenwäldern werden. Dies hängt vor allem mit dem Eschensterben zusammen. Die Stieleiche hat daher als heimische und hochwassersichere Baumart eine große Bedeutung für den Rastatter Wald.

Kultbaum bei den Germanen

Durchschnittlich erreichen Stieleichen ein stattliches Alter von 500 bis 800 Jahren. Die älteste Eiche Deutschlands steht in Raesfeld im Kreis Borken. Schätzungen zufolge ist diese sogenannte „Femeiche“ zwischen 800 und 1500 Jahre alt. Die Germanen nutzten sie als Kultstätte und verurteilten im Schatten des Baumes zahlreiche Räuber und Mörder. Dieses Gericht nannte man „Femegericht“, daher auch die Bezeichnung der Eiche. Eichen waren den Germanen heilig. Sie widmeten sie ihrem Gott Donar. Während der Christianisierung wurden viele Eichen-Kultbäume gefällt. Damit sollte den Heiden die Machtlosigkeit ihrer Götter signalisiert werden. Einige der Bäume wurden jedoch verschont und zu Marieneichen erklärt.

Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten der Eiche

Schon seit jeher nutzen die Menschen die Eiche für sich: Das beständige und feste Eichenholz ist in der Möbel- und Bauholzindustrie sehr gefragt und konkurrenzlos. Denn kein anderes einheimisches Holz hat die Widerstandskraft der Eiche. Außerdem enthält die Eichenrinde viele Gerbstoffe. Ferner finden sich vom Parkettboden über die Produktion von Weinfässern bis hin zum Furnierholz vielfältige Verwendungsmöglichkeiten des Eichenholzes. In der Volksheilkunde spielt die Eiche ebenfalls eine große Rolle. Die Eichenrinde kann zur Heilung von Hauterkrankungen oder Durchfall eingesetzt werden.

„Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“

Die Früchte der Stieleiche – bei uns als Eicheln bekannt – sind sehr nahrhaft. Sie enthalten viele wichtige Bestandteile wie Stärke, Fett und Proteine. Im Mittelalter sagte man: „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken.“ Denn Schweine, die damals zur Mast in den Wald getrieben wurden, erhielten durch das Fressen der Früchte ein besonders aromatisches, würziges Fleisch. Auch Menschen verzehrten früher vielerorts Eicheln. Damit sie genießbar waren, mussten sie zuvor jedoch entbittert werden. Getreide wurde noch bis ins Mittelalter mit Eichelmehl gestreckt. Und auch später wurde in Notzeiten Eichelmehl zu Brot gebacken und geröstete, gemahlene Eicheln wurden als Kaffeeersatz verwendet. Heute werden Eicheln fast ausschließlich als Mastfutter für Schweine und zur Wildfütterung verwendet.