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Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Tüpfel-Johanniskraut - Pflanze des Monats Juli 2013

Hintergrundinformationen zu einer relativ häufig vorkommenden Pflanze

Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Foto: Marianne Knörr-Groß

Als Pflanze des Monats Juli wurde von der Umweltstiftung Rastatt das Tüpfel-Johanniskraut gewählt. Im Gegensatz zur Pflanze des Monats Juni 2013 – dem Hohen Veilchen - handelt es sich beim Johanniskraut um eine in Baden-Württemberg häufige bis sehr häufige Art, die lediglich in höheren Lagen des Schwarzwaldes etwas seltener vorkommt. Auch in der Verwaltungsgemeinschaft Rastatt kann man das Tüpfel-Johanniskraut an Wegrändern, Straßenböschungen und Dammanlagen nicht selten beobachten; es tritt aber auch in Trockenrasen, Magerwiesen, in Gebüschsäumen und Waldlichtungen auf.

Der Stängel der 20 – 100 cm hohen Pflanze ist durchgehend zweikantig, die Blätter sind oval-eiförmig und 1 -3 Zentimeter lang. Sie erscheinen – gegen das Licht gehalten – wie mit Nadeln durchlöchert. Diese „Löcher“ rühren von eingelagerten Öl- und Harzbehältern her, die man bei Betrachtung gegen das Licht gut erkennen kann. Hieraus leitet sich der wissenschaftliche Name Hypericum perforatum ab. Perforatum bedeutet durchlöchert. Der Sage nach stammen diese Löcher vom Teufel, dem die vielen Heilwirkungen des Tüpfel-Johanniskrauts missfielen und der aus diesem Grund die Blätter mit Nadeln zerstochen haben soll.

Die Blütezeit der Pflanze erstreckt sich von Juni bis August. Die Blüten sind goldgelb. Die am Rand schwarz punktierten Blütenblätter färben durch ein austretendes Öl blutrot, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Aufgrund dieser Eigenschaft wurde das Johanniskraut bei den Griechen als „Androsaimon“ (Mannsblut) bezeichnet. Der heutige Name Johanniskraut wird darauf zurückgeführt, dass die Pflanze Johannes dem Täufer gewidmet wurde, wobei der rote Saft das Blut des Märtyrers symbolisieren soll.

Das Tüpfel-Johanniskraut ist eine alte Heilpflanze. Als besonders heilkräftig galt es, wenn man es an Johanni (24. Juni) sammelte.

Auf Wunden wirkt es schmerzstillend, antibakteriell, antientzündlich und zusammenziehend, auf das Nervensystem beruhigend, krampflösend, Angst nehmend und stimmungsaufhellend. Der Kreislauf wird angeregt, ebenso wie die Drüsen der Verdauungsorgane. Das im Johanniskraut enthaltene Hypericin regt den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, gibt Sauerstoff an die Zellen ab und verbessert im Körper die Lichtaufnahme. Es beruhigt und beeinflusst depressive Zustände. Außerdem hilft es bei Erschöpfungszuständen und Wetterfühligkeit, bei Infektionen und Immunschwäche, bei Sportverletzungen, Schürfwunden und leichtem Sonnenbrand.

Wildkräuterexpertin Marianne Knörr-Groß aus Rastatt-Ottersdorf (>> zum Interview der Umweltstiftung Rastatt mit ihr) empfiehlt insbesondere bei Sportverletzungen, Schürfwunden und leichtem Sonnenbrand die Anwendung als Rotöl. Rotöl kann man übrigens selbst ansetzen: Man pflückt um die Sonnwende (21. Juni) herum, spätestens aber am 24. Juni, zu "Johanni", frisch erblühte Johanniskrautblüten und auch Blütenknospen, füllt sie in ein Glas, gibt Olivenöl darauf, lässt für mindestens 3 Tage nur ein Mullläppchen auf der Glasöffnung. Dann verschließt man das Glas mit einem festen Deckel und lässt das Ganze so lange stehen, bis es sich rot färbt. Danach sollte man das Gefäß ab und zu schütteln. Im Herbst seiht man das Ganze ab, gegebenenfalls durch einen Kaffee- oder Teefilter, füllt es in dunkle Tropffläschchen und lagert es kühl.

Rotöl ist ein wunderbares Massageöl bei sämtlichen Nervenschmerzen und/oder Trigeminusschmerzen. Bei Erkältung und Bronchitis kann man aus einem mit Rotöl getränkten Lappen aus Naturwolle wunderbar einen Brustwickel machen. Die Tinktur ist ebenfalls blutrot und wird bei allen genannten Beschwerden, sowie auch bei Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren eingesetzt.

Ausdrücklich hinzuweisen ist, dass Zubereitungen aus dem Johanniskraut insbesondere bei innerer Anwendung die Lichtempfindlichkeit der Haut verstärken können. Daher sollte je nach Dosierung und individueller Empfindlichkeit Sonneneinstrahlung vermieden werden.

Johanniskrautpräparate dürfen nicht ohne ärztlichen Rat während Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden, da es hierzu nur unzureichend Erfahrung gibt. Ebenfalls ist darauf hinzuweisen, dass Johanniskraut Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen kann. Deshalb sollte vor einer Behandlung mit Johanniskraut ein Arzt oder Apotheker um Rat gefragt, werden.

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Ergänzung vom 07.07.2015:

Das Tüpfel-Johanniskraut bzw. Echte Johanniskraut wurde vom 'Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde' zur >> Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt.