• DE

Interview mit August Wieland vom Verein für Umweltschutz und Landschaftspflege Ötigheim (VUL)

Verleihung des Landesnaturschutzpreises 2008 an den Verein, v.l.n.r.: Christian Gehri, Minister Peter Hauk, Rolf Jenisch, August Wieland

August Wieland, erster Vorsitzender des Vereins für Umweltschutz und Landschaftspflege Ötigheim 1971 e.V. (VUL), wurde von den beiden FÖJ- Mitarbeiterinnen der Stadt Rastatt Linda Bertet und Maria Pathe interviewt.

 

Kontaktdaten

Verein für Umweltschutz und Landschaftspflege Ötigheim 1971 e.V. (VUL)

August Wieland (1. Vorsitzender)

Hildastraße 27, 76470 Ötigheim

Tel.: 07222 - 23 290

Email: vul (at) vul-oetigheim.de

Am besten erreicht man August Wieland per Email.


Was sind Ihre Tätigkeiten beim VUL?

Der Schwerpunkt liegt auf der Planung und Durchführung von Landschafts- und Biotoppflegemaßnehmen. Da wir diese finanziell nicht alleine stemmen können, sind dazu Förderanträge und Abrechnungen zu stellen. Öffentlichkeitsarbeit in Form von Presseberichten sowie Mitgliederbetreuung bezüglich Geburtstags- und Beitrittsjubiläen sind weitere Tätigkeitsfelder. Dazu kommen typische Verwaltungsaufgaben, sowie das Organisieren und Abhalten von Sitzungen. Dabei werde ich vom 2. Vorsitzenden Dr. Volker Späth und unserem Vorstandsteam bestens unterstützt. 

Wiesenpflege

Wie viele Mitglieder hat der Verein? 

241

 

Wie kann man Mitglied im Verein werden?

Auf unserer Internetseite und in unserem Flyer gibt es Anmeldebögen. 

Aufhängen von Nistkästen

Ist die Jugend in Ihrem Verein auch vertreten?

Wir hatten einmal eine recht starke Jugendgruppe mit ca. 20 Mitgliedern, die es leider nicht mehr gibt, aber in der Gruppe der Aktiven sind Jugendliche integriert.

Vor drei Jahren wurde von uns ein Jugendumweltpreis in Ötigheim ins Leben gerufen. Letztes Jahr ging er an vier Schüler der Ötigheimer Brüchelwaldschule.

 

Was war der Anlass für die Gründung des Vereins 1971?

In den 60iger Jahren wurde die Nebenerwerbslandwirtschaft immer mehr aufgegeben. Viele Besitzer verpachteten ihre meist schmalen Äcker und Streuobstwiesen an wenige Landwirte, denen die Obstbäume bei der Bewirtschaftung oft hinderlich waren. Die Folge war, dass immer mehr Streuobstwiesen verschwanden und sich damit das Landschaftsbild hin zu großflächigen, baumlosen Bewirtschaftungseinheiten wandelte. Auch die Artenvielfalt blieb dabei auf der Strecke.

Da musste dagegen gehalten werden.

Es gab kaum Spazierwege und die wenigen, die es gab, waren in schlechtem Zustand Der örtliche Müllplatz war überfüllt, wilde Müllablagerungen in der freien Landschaft nahmen zu und der Dorfbach wies einen hohen Verschmutzungsgrad auf.

Dazu kam, dass die B36 in das ökologisch besonders wertvolle Tiefgestade verlegt werden sollte, was zum Glück abgewendet werden konnte, ebenso wie eine Altölverbrennungsanlage, die hier gebaut werden sollte.

All diese Missstände waren so nicht länger tragbar und engagierte Ötigheimer gründeten den Verein, um die Situation verändern zu können.

 

Hat Sie ein persönliches Schlüsselerlebnis zum Umweltschutz gebracht?

Im Alter von 21 Jahren habe ich ein Buch gelesen: „Die Grenzen des Wachstums“ vom Club of Rome. Das hat mir die Augen geöffnet. Danach las ich noch diverse andere Bücher, wie z. B. von Herbert Gruhl „ein Planet wird geplündert“.

Aber auch persönliche Erlebnisse, wie das plötzliche Verbauen einer Spielwiese meiner Jugend.

In meiner Studienzeit habe ich mich vor Ort engagiert: u.a. gegen die Weiterführung einer Stadtautobahn durch ein Wohngebiet und gegen den Bau eines Kohlekraftwerks in einen Wald. Die Anti-Atombewegung habe ich damals ideell unterstützt. 

Baumschneiden

Was sind die Tätigkeiten des Vereins?

Zunächst mal ganz praktische Tätigkeiten in der Landschafts- und Biotoppflege, wie beispielsweise Mähen von Streuobstwiesen und Pflanzen von Obstbäumen. Konkret werden von uns seit vielen Jahren rund 150 Bäume auf 1,5 Hektar gemeindeeigenen Wiesen gepflegt. Übrigens waren es bis vor einigen Jahren noch 2 Hektar Streuobstwiesen. Die Differenz ist der Bebauung zum Opfer gefallen. Ein Prozess, der leider überall zu beobachten ist. Wir stellen auch Förderanträge für Baumpflanzungen durch Privatpersonen. In diesem Zusammenhang wurden in den letzten 30 Jahren von uns und von Privatpersonen ca. 1400 Bäume gepflanzt.

Im Naturschutzgebiet „Auenwälder und Feuchtwiesen westlich von Ötigheim“ werden wir durch die Naturschutzbehörden regelmäßig mit Pflegearbeiten beauftragt. Diese reichen von Mäharbeiten auf Problemflächen und Böschungsbereichen, die in der Regel für Landwirte nicht gut zugänglich sind bis zur Entfernung von Gehölzen.

Dazu kommen diverse Artenschutzprogramme:

Wir betreuen im Gewann Hirschgrund einen sandigen Abhang, der der südlichste Standort ist, an dem die Sandgrasnelke wächst. Diese Pflanze ist ansonsten im Norden Europas heimisch.

Pflege der Sandgrasnelke

Im Naturdenkmal Kampelsried gilt unser Augenmerk dem Langblättrigen Ehrenpreis sowie dem Großen Wiesenknopf, beides wichtige Schmetterlingspflanzen.

Für Fledermäuse haben wir als Winterquartier einen Stollen gegraben und an Bäumen 200 Brutkästen angebracht. Davon sind im Jahr ca. 70 Prozent belegt; sie werden also gut angenommen.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld sind Flachwasserbiotope, von denen wir bisher ca. 40 angelegt haben, die meisten davon im Wald und teilweise mehrere hundert Meter lang. Dabei werden verlandete Schluten soweit ausgegraben, dass sie ganzjährig Wasser führen und damit Amphibien einen sicheren Lebensraum bieten.

In den zurückliegenden Jahren legten wir auf der Hardt auch zehn Feldholzinseln an. Das sind, auf großen Agrarflächen liegende Inseln aus Hecken und Bäumen, die Unterschlupf für Kleintiere wie Hasen, Igel, Iltis, Rebhuhn, etc. bieten.

Auf der umweltpolitischen Seite haben wir uns bei den entsprechenden politischen Gremien stets gegen die ungezügelte Verbauung der freien Landschaft eingesetzt. Energiepolitisch machen wir uns seit langem stark für den Einsatz erneuerbarer Energien. So gehen die solarthermische Anlage der Sporthalle und die Photovoltaikanlage der Brüchelwaldschule auf unsere Anregungen zurück. Beide Anlagen wurden bereits in den 90iger Jahren errichtet.

Wie erwähnt, ist für uns auch die Öffentlichkeitsarbeit von Bedeutung. So bieten wir jedes Jahr zwei naturkundliche Exkursionen an, wobei wir nach dem Motto „man schätzt nur, was man kennt und man schützt nur, was man schätzt“, bestrebt sind, die Menschen mit den Schönheiten und Besonderheiten unseres Naturraums bekannt zu machen.

 

Woher beziehen Sie das Geld für die Pflegemaßnahmen?

Auf Antrag können wir von den Naturschutzbehörden, d.h. vom Regierungspräsidium und vom Landkreis Zuschüsse bekommen. Bis 2006 waren dies maximal 90 Prozent der Kosten, seither wurde der Fördersatz auf 70 Prozent reduziert. Eine Kürzung, die uns natürlich sehr schmerzt und unsere Möglichkeiten einschränkt.

Wiesenpflegemaßnahme

Dazu kommen Mitgliederbeiträge von 10 € für Einzelmitglieder und 15 € für Paare pro Jahr sowie Spenden.

 

Hatten Sie ein besonderes Schlüsselerlebnis in Ihrer Zeit beim VUL?

Eher ein sehr erfreuliches Erlebnis als ein Schlüsselerlebnis: Im Jahr 2008 haben wir im Neuen Schloss in Stuttgart vom damaligen Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk, den Landesnaturschutzpreis überreicht bekommen; 1600 Euro für langjährige Landschaftspflege und Öffentlichkeitsarbeit. Das war für uns sehr ehrenhaft.

 

Link

www.vul-oetigheim.de/

Sämtliche Fotos: VUL Ötigheim

Nach oben