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Interview Volker und Sonja Dietrich, Igelexperten

Volker und Sonja Dietrich, rechts im Bild, haben sich auf Igel spezialisiert.Foto:Stadt Rastatt.
Volker und Sonja Dietrich, rechts im Bild, haben sich auf Igel spezialisiert.Foto:Stadt Rastatt.

Die Eheleute Sonja und Volker Dietrich wurden am 16. Oktober 2017 von Annika Graszies und Maximilian Römmich vom Freiwilligen Ökologischen Jahr der Stadt Rastatt interviewt.

Kontaktdaten

Sonja und Volker Dietrich

Telefon 07224/1236

Wie sind sie zu Ihrer Tätigkeit gekommen?

Wir waren schon immer an der Natur und Tieren interessiert, allerdings durch Kinder, Beruf und einem eigenen Haus so beschäftigt, dass sich die Gelegenheit für aktiven Tierschutz erst ergeben hat als ich in Altersteilzeit gegangen bin. Mir war von Anfang der Rente an klar, dass ich weiterhin etwas tun möchte. Nach einiger Recherche bei der unteren Naturschutzbehörde und der Erkenntnis, dass es viele Wildtiere gibt, die Hilfe benötigen. Da es nur wenige Menschen gibt die sich mit Hornissen beschäftigen, habe ich mich dazu entschieden, Hornissenbeauftragter im Landkreis Rastatt zu werden. Nach dem Erreichen des Sachkundenachweises für die Arbeit mit Hornissen (Umsiedlungen, Belehrungen, Vorträge etc.) startete meine Arbeit im Tierschutz. Als Karl-Ludwig Matt (Vorsitzender der NABU Ortsgruppe Rastatt) drei bis vier Jahre später mit einem kleinen Dachs zu uns kam und uns bat ihn aufzuziehen war der Start für unsere Wildtieraufzucht gesetzt. Der Schwerpunkt liegt in der Aufzucht von Igeln.

Worauf muss man achten wenn man einen Igel findet? Gibt es Erste-Hilfe-Maßnahmen? Entscheidend ist die Jahreszeit, wann der Igel gefunden wird, also ob es Frühjahr, Sommer oder Herbst ist. Wenn man ab Mitte Oktober einen Igel findet, der nur 150 bis 200 Gramm wiegt, dann sollte man versuchen ihn einzufangen und zu einem Igelspezialisten zu bringen. Zum Einfangen sollte man Handschuhe tragen oder ein Handtuch benutzen, wegen der Verletzungsgefahr durch die Stacheln und möglichen Parasitenbefall des Igels. Man sollte den Igel mitnehmen, weil er mit so einem geringen Gewicht den Winter beziehungsweise den Winterschlaf nicht überlebt. Die Fettreserven reichen bei diesem Gewicht nicht für den Winterschlaf aus und sie verhungern. Im Frühjahr oder im Sommer sind die Igel die man findet meistens Jungtiere, deren Mutter überfahren wurde, oder verletzte Igel, die einem das ganze Jahr über begegnen können. Verletze Igel sollte man schnellstmöglich zum Tierarzt bringen, welcher sich um die weitere Versorgung kümmert und ihn gegebenenfalls weitervermittelt. Durch das späte, nasse und kalte Frühjahr 2017 haben leider viele Igelkinder des ersten Wurfes nicht überlebt. Deshalb gab es in diesem Jahr einen späten 2. Wurf im Herbst, was natürlich die Problematik mit sich brachte, dass dieser 2. Wurf noch zu jung war, um genügend Fettreserven für den Winterschlaf aufzubauen. Deshalb gab es 2017 viele kleine Igel, welche noch nicht bereit für den Winterschlaf waren.

Wie viele Igel nehmen Sie pro Jahr auf?

In den vergangenen Jahren haben wir jeweils bis zu 18 Igel aufgenommen, aber natürlich nicht alle auf einmal. Igel, die wir schon im frühen Herbst aufnehmen, können wir oft bis zum Winter wieder soweit aufpäppeln, dass sie in freier Wildbahn überwintern können. 

Fallen die Igel selbstständig in den Winterschlaf wenn sie dazu bereit sind und wie lange dauert dieser? Gibt es Unterschiede zum Winterschlaf in freier Wildbahn?

Ja, die Igel bei uns fallen alle selbstständig in den Winterschlaf. Unsere Igelfindlinge leben in Meerschweinchenkäfigen, die uns gespendet worden sind. Dort erhalten sie von uns Futter, Wasser und Heu und Stroh, um sich eigenständig einen Schlafplatz zu bauen. Dieser Schlafplatz ist höhlenähnlich. Bevor der Igel seinen Winterschlaf beginnt, verschließt er den Eingang. In freier Wildbahn schläft ein Igel von circa November bis Anfang Mai. Unsere jungen unterernährten Igel brauchen allerdings meistens bis Anfang Februar, bis sie die für den Winterschlaf benötigten Fettreserven aufgebaut haben. Erst dann fallen sie in den Winterschlaf. Meinst wachen sie dann nach rund vier Wochen schon wieder auf. Ihr Winterschlaf ist also stark verkürzt im Gegensatz zu dem ihrer Artgenossen in freier Wildbahn.

Wie läuft eine Auswilderung normalerweise ab?

Wir nehmen die Igel in eine Transportbox und fahren sie zu geeigneten Orten, also nicht in der Nähe von Straßen oder ähnlichem. Da Igel Einzelgänger sind, setzen wir sie immer in einem etwas größerem Abstand voneinander aus, dass sie sich nach dem Freilassen nicht erst einig werden müssen wer welches Revier beziehen darf. Ein Igelrevier hat ungefähr einen Durchmesser von 200 bis 300 Metern. Bei geringem Nahrungsangebot ist es größer. -

Was kann man als Gartenbesitzer für die Igel tun?

Da Igel große Gebiete auf der Nahrungssuche durchstreifen sollte man bei der Wahl der Umzäunung darauf achten, dass Igel davon nicht behindert werden. Besonders geeignet sind Hecken und Lattenzäune. In grobmaschigem Draht können sich Igel verfangen, deshalb sollten diese nicht bis auf den Boden reichen. Auch Stütz- und Gartenmauern sollten Durchschlüpfe haben. Auf Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter sollte man verzichten, denn diese töten Insekten, welche die Hauptnahrungsquelle der Igel sind. Da sie Unterschlüpfe brauchen, ist es gut, wenn es dichte Hecken, Gebüsche, Reisig-, Laub- und Komposthaufen im Garten gibt. Hohlräume unter Holzstapeln Gartenhäuschen und alte Baumwurzeln sind sehr beliebt, je mehr davon im Garten vorhanden ist, desto leichter können die Igel dort ihren Lieblingsplatz aussuchen. Ein kleiner Gartenteich mit flach auslaufendem Uferbereich rettet besonders in trockenen Sommern Igel vor dem Verdursten. Täglich mit frischem Wasser versehene flache, standfeste Schalen erfüllen diesen Zweck aber ebenso. Durch eine Futterstelle in den nahrungsarmen Jahreszeiten, beugt man Unterernährung der Igel vor. Als Nahrung eignen sich beispielsweise Katzendosenfutter oder Igeltrockenfutter. Es sollte vor Vögeln, aber auch vor Regen geschützt sein. Am besten stellt man es in ein Kistchen mit mindestens zwei zehn Mal zehn Zentimeter kleinen Eingängen. Hier gehen die Vögel nicht rein und es ist vor Regen geschützt. Die Futterstelle sollte immer sauber gehalten werden, um einer Ansteckungsgefahr der Igel untereinander vorzubeugen. Am einfachsten ist es, Zeitungspapier unterzulegen und auszutauschen. Der Futternapf sollte täglich sauber gemacht werden. Wenn es gefriert und schneit soll man die Zufütterung beenden, um die Igel nicht "künstlich" wach zu halten. Der Nahrungsmangel ist ein wichtiger Auslöser für den Winterschlaf.