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Interview mit den PAMINA Rheinparkguides

PAMINA Rheinparkguides

Melina Wochner und Ramona Müller, führten während ihres einjährigen Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) bei der Stadt Rastatt auch ein Interview mit einigen PAMINA Rheinpark-Guides.

Die Region PAMINA besteht aus der Südpfalz, dem Mittleren Oberrhein und dem Nordelsass:

Pa latinat du Sud - Südpfalz

Mi ttlerer Oberrhein

Na Nord Alsace - Nordelsass

Der PAMINA Rheinpark erstreckt sich als grenzüberschreitendes 'räumliches Museum' entlang des Oberrheins zwischen Leimersheim / Eggenstein-Leopoldshafen im Norden und Drusenheim / Lichtenau im Süden.

Umfasst werden u.a. sowohl einzigartige zusammenhängende Auenlandschaften als auch Museen und Stationen, bei denen die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Fluss zentrales Thema sind.

Die PAMINA Rheinpark-Zentrale befindet sich im Riedmuseum in Rastatt-Ottersdorf, Am Kirchplatz 8, 76437 Rastatt-Ottersdorf, Tel./Fax: 07222/25509, Email: info (at) pamina-rheinpark.org

>> zur 'PAMINA Rheinpark' - Webseite

 

Tätigkeiten der Rheinpark-Guides?

Die PAMINA Rheinpark-Guides sind speziell ausgebildete und zertifizierte Führer, die für interessierte Personen regelmäßig Exkursionen zu den Besonderheiten des PAMINA-Rheinparks durchführen. Diese erfolgen auf Anfrage oder über das PAMINA- bzw. LIFE+-Veranstaltungsprogramm. Alle zwei Monate führen die Rheinpark-Guides ein internes Treffen durch, bei dem Termine und Führungen koordiniert werden und das der Weiterbildung dient. Zurzeit wird in diesen Treffen ein Katalog an Standardtouren erarbeitet.

 

An wen richtet sich das Angebot?

Die Rheinpark-Guides richten ihr Angebot an Schulen (vor allem Grundschulen) und Vereine. Sie werden aber auch von Geburtstagsgesellschaften und für Betriebsausflüge gebucht. Ihr Angebot ist breit gefächert und wird von jung bis alt genutzt, die Leute kommen „mit Hund, Kind und Kegel“. Nach Absprache mit dem Organisator werden die Touren meist individuell abgestimmt.

Kontaktdaten der Rheinpark-Guides >> unter Ansprechpartnersuche auf der Webseite der Umweltstiftung

 

Kosten?

Führungen und Ausflüge werden ab 30 € angeboten. An den Veranstaltungen der Rheinpark-Guides im Rahmen des LIFE+ - Projekts kann man gegen einen geringen Unkostenbeitrag (5 € für Erwachsene, Kinder kostenlos) teilnehmen.

>> Preisliste als PDF

 

Wie kann man die Rheinpark-Guides buchen?

Buchen kann man die Touren direkt per Telefon oder mail bei den einzelnen Guides >> Infoflyer (PDF)

 

Was ist das Besondere an PAMINA? Was hat der PAMINA-Rheinpark zu bieten?

Die Aue ist eine von einzigartiger Dynamik erfüllte Landschaft; jeden Tag sieht sie anders aus und man kann Neues entdecken. Das Wasser ist das prägende Element. Jede Jahreszeit hat hier ihren eigenen Reiz.

Die Einmaligkeit der Rheinauen bei Rastatt machen den PAMINA-Rheinpark zu etwas ganz Besonderem: Im Winter fasziniert die Vielfalt an Vögeln, die bei uns überwintern oder auf Durchreise sind. Auch die Folgen der Flusskorrektur sind hier am Rhein sichtbar und vermittelbar.

Im PAMINA-Rheinpark kann man nicht nur hervorragend wandern und an Führungen teilnehmen, sondern auch Kajak fahren, mit dem Fahrrad dem PAMINA-Radweg mit seinen verschiedenen Tafeln und Stationen folgen oder sich in den Museen, wie dem Ottersdorfer Riedmuseum, weiterbilden.

 

Was für Führungen bieten Sie an? Gibt es sonst noch Projekte?

Von den Rheinpark-Guides hat sich jeder so seinen eigenen Schwerpunkt gesetzt:

Peter Vogler bietet immer wieder auch eine Tour in den Dünenfeldern von Sandweier an.

Monika Fritz-Wörner hat sich auf die alten Berufe der Rheinaue spezialisiert. Sie organisiert zum Beispiel Führungen zum Weidenflechter und erzählt über das Handwerk und das „Flechterjahr“, das traditionell im Winter beginnt. Mit Peter Vogler zusammen führt sie auch die Wanderung „Schützen, Heilen und Tragen – die Künste der Weiden“ durch, in der u.a. auch auf die Aspiringewinnung aus Weiden eingegangen wird.

Michael Zacherle bietet vor allem Führungen in der Region um Ettlingen und im nördlichen PAMINA-Gebiet, also im Übergang der Vorbergzone zur Rheinaue, an. Außerdem führt er Besucher durch den Landschaftspark Karlsruhe-Knielingen und das Naturschutzgebiet Altrhein Maxau und das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Burgau beim Knielinger See.

Bernhard Unser bedient die Rastatter Rheinaue, von der Murgmündung bis Wintersdorf, ist aber auch im Poldergebiet in Greffern gerne unterwegs. Durch seine aktive Mitgliedschaft im Obst- und Gartenbauverein (siehe >> Interview mit dem Hornissenfachberater Bernhard Unser) führt er auch Streuobstwiesenführungen durch und ist immer noch als Schwarzwald-Guide tätig.

Neben den Führungen gibt es im PAMINA-Rheinpark zahlreiche weitere Veranstaltungen wie z.B. einen Tag der offenen Tür, eine Museumsnacht, das Projekt „Winterzeit im Rheinpark“, ein Fährfest und vieles mehr.

 

Wie sind Sie zum PAMINA-Rheinpark gekommen?

Bernhard Unser ist schon seit längerer Zeit Schwarzwald-Guide. Als eine Tour entlang der Murg von Forbach zur Murgmündung geplant wurde, erklärte er sich als Rastatter bereit, den letzten Teil der Exkursion an der Murgmündung zu leiten. Später bot er dann diese Führung öfter an, da ihn diese Landschaft zunehmend begeisterte. Als Schwarzwald-Guide arbeitete er sozusagen auf „fremdem“ Gebiet, bis er sich dann den Rheinpark-Guides anschloss.

Monika Fritz-Wörner hatte vor ihrer Ausbildung zur Rheinpark-Guide keine Vorkenntnisse. Sie interessierte sich jedoch sehr für Inhalte der Ausbildung. Im Gegensatz zu vielen anderen Kursteilnehmern ließ Sie sich davon überzeugen, das Gelernte auch weiterzugeben.

Michael Zacherle war früher in einer Bürgerinitiative aktiv. Danach wollte er seine Zeit und Energie erneut in ein sinnvolles Projekt stecken. Auf die Ausbildung zum Rheinpark-Guide wurde er erst aufmerksam als diese bereits begonnen hatte; allerdings hatte er lediglich den ersten Termin verpasst und konnte noch einsteigen.

Peter Vogler war Lehrer am Tulla-Gymnasium Rastatt und hat dort Biologie unterrichtet. Er bedauert, dass sich der Biologieunterricht heutzutage kaum mehr mit Ökologie befasst. Daher ist er mit den Schülern auf Entdeckungstour in die Natur gegangen, um sie an dieses Thema heranzuführen. Er bekam von den Schülern durchweg positives Feedback. Auch dies war ein Grund für ihn Rheinpark-Guide zu werden.

 

Wie läuft die Ausbildung ab? Wie lange dauert sie?

Die Ausbildung zum PAMINA-Rheinpark-Guide wurde von der VHS Rastatt in Zusammenarbeit mit dem NABU und dem PAMINA Rheinpark e.V. konzipiert und durchgeführt. Sie dauerte insgesamt eineinhalb Jahre. Alle sechs Wochen fand ein dreistündiger Kurs an Abenden unter der Woche statt. Auf einen mehr theoretischen Teil folgten sehr viele praktische Schulungen (Museumsbesuche, Naturbeobachtungen und vor-Ort-Begehungen). Vermittelt wurde zudem allerhand pädagogisches Rüstzeug, was nicht gerade unwichtig ist, denn „eine gute Präsentation ist die halbe Miete“. Insgesamt wurden die Guides sehr umfassend ausgebildet; selbst in den Bereichen Tourismus und Industrie. Der Abschluss der Ausbildung bildete eine theoretische und eine praktische Prüfung.

An der Ausbildung haben zwanzig Leute teilgenommen, davon absolvierten zehn die Prüfung. Im Moment bietet die VHS keine Ausbildung zum Rheinpark -Guide an.

 

Was macht Ihnen bei PAMINA am meisten Spaß? Welche Motivation steckt bei Ihnen dahinter?

Hier sind sich die Guides einig: Der Reiz raus in die Natur zu gehen und ihre Schönheit immer wieder aufs Neue zu entdecken. Auch die Weitergabe ihres angeeigneten Wissens ist den PAMINA-Rheinpark-Guides ein hohes Anliegen, denn ihre gemeinsame Erfahrung ist, dass sich nur noch sehr wenige Menschen in den Rheinauen auskennen. Viele Bewohner von Rastatt und Umgebung waren bspw. noch nie an der Murgmündung und wissen kaum etwas von dem wertvollen und schützenswerten Lebensraum Rheinaue direkt vor ihrer Haustür. Dies wollen die Guides gerne ändern und durch ihre verschiedenen Veranstaltungen die Menschen auf die einzigartige Gegend aufmerksam machen. Ziel ist es, sowohl Kindern als auch Erwachsenen Wissen über ihre Heimat zu vermitteln. Für die Rheinpark-Guides ist es ein Dreischritt aus „Staunen- Lernen- Weitergeben“, den sie auch selbst immer noch durchleben.

Besonders wichtig ist für Peter Vogler der Kontakt zu den Menschen, welche seine Veranstaltungen und Führungen besuchen. Von ihnen erfährt er die ein oder andere Anekdote oder Information über die Rheinauen und den umliegenden Dörfern.

Monika Fritz-Wörner bedauert es, dass das Wissen um all die alten Berufe, wie z.B. Weidenflechter usw. verloren geht. Dem versucht sie entgegenzuwirken, indem sie Führungen zu eben diesen Berufen anbietet und sie so den Leuten wieder in Erinnerung ruft.

 

Was finden Sie am Faszinierendsten/Spannendsten in den Rastatter Rheinauen?

Die Veränderung der Rheinauen, bedingt durch den sich ständig ändernden Wasserstand und die Jahreszeiten, ist ungemein faszinierend. Es werden ständig neue Formen geschaffen, der Ort ist einfach unglaublich lebendig. Dies zu beobachten ist wirklich spannend. Vor allem der Eisvogel mit seinen tollen Farben ist immer wieder ein Highlight und man freut sich jedes Mal, wenn er tatsächlich mal vorbeifliegt.

 

Besonderes Erlebnis/Anekdote?

Bernhard Unser erinnert sich an eine Führung mit einer Gruppe, in der ein vierjähriges Kind eine Frage gestellt hat, die er spontan nicht beantworten konnte. Die Teilnehmer der Exkursion beobachteten, wie eine Entenfamilie mit vielen Jungtieren auf dem Wasser schwamm. Das Kind fragte: „Warum können die kleinen Enten schon schwimmen?“ Auf diese Frage fiel Bernhard Unser keine Antwort ein, so dass es auch ein kleines Kind versteht. Aber genau dies macht die Tätigkeit spannend: „Die Natur ist so vielfältig, man kann nicht alles wissen und man lernt nie aus“ so sein Kommentar hierzu.

Vor allem von älteren Leuten bekommt man oft viel Wissen zurück, da diese sich an Gegebenheiten erinnern, die nirgendwo schriftlich festgehalten sind. Von einem älteren Teilnehmer wurde bspw. mal anschaulich berichtet, wie das Haus seiner Familie in Plittersdorf, wegen Hochwassergefahr komplett abgebaut wurde und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden musste.

Und Peter Vogler berichtete über das Schlüsselerlebnis, das ihn zu den Rheinpark-Guides gebracht hat. Während seiner Zeit als Lehrer hielt ein 15-jähriger Schüler ein Referat über die Auen und als dieser seinen Vortrag beendet hatte, fragte eine Schülerin „Was ist denn eine Aue?“. Das war für ihn der Anlass, seinen Schülern die heimische Natur näher zu bringen.

 

Links? Lektüre? weitere Infos?

>> Webseite des PAMINA Rheinparks

>> LIFE+ 'Rheinauen bei Rastatt'

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