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Interview mit Walter Burster, Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim und Experte für Steinkäuze

Der Naturschützer Walter Burster wurde am 24. November 2015 von Larissa Panella und Tobias Keinath vom Freiwilligen Ökologischen Jahr der Stadt Rastatt interviewt.

Kontaktdaten

Walter Burster

Rheinstraße 9,

76437 Rastatt Ottersdorf

Telefon: (07222) 6606


Herr Burster, was machen Sie beruflich und wie sind Sie zum Naturschutz gekommen?

Ich arbeitete seit vielen Jahren bei der Rastatter Firma Maquet, die medizintechnische Geräte herstellt. Dort bin ich auch als Betriebsrat aktiv. Aufgrund firmenpolitischer Veränderungen von Maquet, bin ich nun bei MK Metallkomponenten tätig.Schon als Kinder waren meine Freunde und ich viel in der Natur unterwegs, haben untersucht und geforscht. Deshalb ist es mir wichtig, mich  für den Umweltschutz einzusetzen. Gerne gebe ich mein Fachwissen weiter. Vor allem auch an Kinder.Zum Naturschutz kam ich letztendlich über die INI, die Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim, in der ich bis 2014 auch im Vorstand tätig war. Dort bin ich nun schon 25 Jahre aktiv.Der damalige zweite Vorstand der INI, Herbert König, nahm mich damals mit auf eine Vogelwanderung. Faszinierend fand ich besonders, dass man Vögel allein am Gesang erkennen kann. Dies hat mein Interesse am Naturschutz geweckt.

Was interessiert Sie besonders an der Natur?

Mich interessiert generell alles an der Natur. Ein besonderes Spezialgebiet habe ich keines. Die Störche haben es mir besonders angetan. Erfreulicherweise sind diese wieder in Rastatt und Umgebung heimisch geworden Auch Eulen sind besonders schöne und schützenswerte Tiere, weshalb ich mich unter anderem bei Artenschutzprojekten für den Steinkauz engagiere.

Welche Aufgaben haben Sie in der Initiativgruppe Iffezheim?

Wie schon erwähnt, war ich bis zum Jahr 2014 auch im Vorstand der INI tätig. Ich beteilige mich beispielsweise an Natur- und Landschaftspflegeprojekten. Unter anderem organisiert die INI jedes Jahr naturpädagogische Veranstaltungen für Kindergruppen. Dies ist eine Aufgabe, die mir immer besonders am Herzen liegt und die mir viel Freude bereitet.

Sie leben bereits seit vielen Jahren in Ottersdorf. Was hat sich Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren in der Naturlandschaft Rastatt getan?

Mich persönlich freut es sehr, dass wir in Ottersdorf jetzt wieder vermehrt Streuobstwiesen haben. Wir haben auch das Glück, dass wir viele Tierherden, z.B. Schafe oder Kühe haben.Dadurch ist sichergestellt, dass die Wiesen genutzt werden. Sehr gut kann ich mich  daran erinnern, dass früher sehr viele Kulturäcker und Monokulturen angelegt wurden. Sehr verbreitet war das Spritzen mit teilweise sehr giftigen Pestiziden. Noch heute habe ich den Geschmack der Pestizide im Mund, den ich früher empfunden habe, wenn die Bauern ihre Obstbäume gespritzt haben.Schön finde ich es auch, dass in Rastatt Ottersdorf Biotope angelegt und unterhalten werden. Für die Biotope im Quellbrunnen (ein Kleingewässer mit Röhricht, Hecken und einer Magerwiese) und das Biotop Knorrgießengraben (eine Senke mit Kleingewässern und Feuchtwiesen) habe ich eine Biotoppflegepatenschaft übernommen. An beiden Biotopen kommen Kopfweiden vor, die ganz besondere Lebensräume für zahlreiche bedrohte Tierarten darstellen. Beide Biotope sind sehr gut geeignet, gerade um Schulklassen und Kindergärten die Natur näherzubringen.

Sie setzen sich auch für die Wiederansiedlung des Steinkauzes im Rastatter Ried ein. Was finden Sie an diesem Tier so faszinierend?

Meine Vorliebe gehört den Eulen. So habe ich bei mir daheim einen Brutkasten mit Schleiereulen. Dort haben in diesem Jahr Schleiereulen gebrütet und vier Junge aufgezogen. Der Steinkauz als kleinste einheimische Eulen- Art in Deutschland hat mich sofort fasziniert.Wenn ich in Rastatt und Umgebung in der Natur unterwegs bin, wundere ich mich immer wieder, warum der Steinkauz bei uns kaum vorkommt. Denn eigentlich sind die Bedingungen optimal. Deshalb habe ich ein Artenschutzprojekt für den Steinkauz ins Leben gerufen und möchte dieses gerne gemeinsam mit der Stadt Rastatt umsetzen.  Wenn ich in meinem Leben etwas über die Natur gelernt habe, dann, dass man nicht in Wochen oder Monaten, sondern in Jahren oder sogar Jahrzehnten denken muss. Es kann also eventuell eine ganze Weile dauern, bis wir mit unserem Artenschutzprogramm Erfolg haben.

Der Steinkauz nistet gerne in Obstwiesen / Foto: Rainer Deible.

Warum ist der Steinkauz so gefährdet?

Der Steinkauz ist besonders gefährdet, weil seine Lebensräume immer stärker zurückgehen. Die Zahl der Streuobstwiesen ist rückläufig. Ebenso gibt es immer weniger alte ObstbäumeAußerdem hat der vermehrte Einsatz von Pestiziden in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass die Steinkauz-Bestände stark zurückgegangen sind.Weiterhin gibt es natürliche Fressfeinde. Dazu gehören unter anderem Marder oder größere Raubvögel wie der Waldkauz.

Welche Maßnahmen führen Sie für den Steinkauz und andere Vögel durch?

Wichtig ist es, Nistmöglichkeiten zu schaffen. Dies soll durch das Ausbringen von künstlichen Brutröhren sogenannten Steinkauzröhren erreicht werden. Diese sollen an alten Obstbäumen unserer Streuobstwiesen angebracht werden. Die Bäume sollten sich allerdings in einer Entfernung von etwa 100 Meter zum Wald befinden, da sonst ein erhöhtes Risiko besteht, dass der Steinkauz von einem Waldkauz entdeckt wird. Nach dem Ausbringen der Brutröhren sollte ein regelmäßiges Monitoring erfolgen, das heißt, es sollte kontrolliert werden, ob die Röhren von Steinkäuzen angenommen wurden. Dieses Monitoring sollte in regelmäßigen Abständen, beispielsweise jeweils im Herbst stattfinden. Neben der Kontrolle ist außerdem eine Säuberung der Röhren sinnvoll.Wichtig ist, dass die Wiesen regelmäßig gemäht werden, da zu hohes Gras den Jagderfolg schmälert.


Was kann man tun, um dem Steinkauz zu helfen?


Wenn man eine Streuobstwiese besitzt, kann man ebenfalls Nistkästen ausbringen. Diese sollten allerdings nicht an Kirschbäumen angebracht werden, da die Erntezeit der Kirschen mit dem Flüggewerden der jungen Steinkäuze kollidiert.Außerdem ist es gut, alte Obstbaumbestände und Streuobstwiesen zu erhalten, um natürliche Lebensräume des Steinkauzes zu schützen.

Was sollte man tun, wenn man einen verletzten Steinkauz findet?

Am besten nimmt man Kontakt mit Pierre Fingermann, dem in Rastatt allseits bekannten (Greif)Vogelexperten, auf. Er kennt sich in solchen Fällen besonders gut aus.

Kontakt zu Pierre Fingermann

Sie halten sich sehr häufig in der Natur auf. Hatten Sie besondere Erlebnisse?

Was mich besonders gefreut hat war, dass nach über 50 Jahren der Storch wieder in unsere Region kam. Als ich 1994 nach Ottersdorf gezogen bin, war es nämlich mein größter Wunsch, wieder Störche bei uns zu haben.Deshalb habe ich auch eine Nisthilfe auf dem Dach des Ottersdorfer Rathauses angebracht. Gerade einmal zwei Jahre hat es gedauert, bis sich der erste Storch einfand – wenn auch nur kurzfristig. Nach weiteren zwei Jahren wurde die Nisthilfe von einem Storchenpaar angenommen und es gab die ersten Bruterfolge.Besonders faszinierend fand ich, wie die Störche nach ihrer langen Reise immer wieder ihr Nest finden, obwohl über viele Generationen hinweg kein Storch auf dem Rathausdach in Ottersdorf war.

Allgemeines über den Steinkauz

Der Steinkauz ist mit einer Größe von maximal 22 Zentimetern der kleinste Eulenvogel in Deutschland.Sein Gefieder ist auf der Oberseite dunkelbraun und weißlich gefleckt. Die Unterseite ist weiß und mit braunen Streifen versehen. Seine großen, gelben Augen sind schwarz umrandet, die Augenbrauen sind weiß. Besonders auffallend sind auch seine abgerundeten, kurzen Flügel und die kurzen Schwanzfedern. Bevorzugter Lebensraum des Steinkauzes sind Streuobstwiesen. Besonders geeignet sind regelmäßig bewirtschaftete Wiesen, da er in niedrigem Gras seine Jagdbeute besser finden kann. Das Nahrungsspektrum der Steinkäuze ist sehr breit gefächert und reicht von Insekten wie besipielsweise Käfer, Wanzen und Heuschrecken bis hin zu Würmern, kleineren Amphibien, Reptilien und Säugetieren.

Als Nistplatz bevorzugt er alte Bäume, da diese durch Astbrüche, Blitzschläge oder durch Spechte reich an Höhlen sind.Ein großer Feind des Steinkauzes ist der Waldkauz. Aus diesem Grund sollten künstliche Nisthöhlen für den Steinkauz in einiger Entfernung vom Wald angebracht werden. Steinkäuze können etwa 15 Jahre alt werden und das Weibchen legt zwischen April und Mai sechs bis sieben Eier in die Nisthöhle.

Der Steinkauz wurde bereits im antiken Griechenland verehrt. Dort galt er als Symbol der Weisheit und als Sinnbild der Göttin Athene, wie auch sein lateinischer Name Athene noctua ("nächtliche Athene") verdeutlicht. Noch heute ziert er die griechische Ein-Euro Münze.