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Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)

Das Wiesenschaumkraut – Pflanze des Monats April 2016

Babywiege der Göttin der Morgenröte

Für den Aurora Falter ist das Wiesenschaumkraut ein wichtiger Lebensraum. Foto: Rainer Deible

Zur Pflanze des Monats April hat die Umweltstiftung Rastatt das Wiesenschaumkraut gewählt. Diese mehrjährige, krautige Pflanze gehört zusammen mit der Kresse, dem Meerrettich und dem Senf zur Familie der Kreuzblütler.  Sie wird bis zu 60 Zentimeter groß und bevorzugt feuchte Böden.

Frühlingswiesen werden zu Blütenmeer

Durch seine dünnen, kriechenden Wurzeln verankert sich das Wiesenschaumkraut im Boden. Der Stiel der Pflanze ist hohl und rund und besitzt wechselständige, kurzstielige Laubblätter, die eine schmal längliche Form aufweisen. Außerdem bildet das Wiesenschaumkraut unterschiedlich farbige Blüten aus. Sie reichen von weiß über blasslila bis blassrosa. Aus den Blüten entwickeln sich etwa 40 Millimeter lange Schoten, die ihre länglichen, hellbraunen Samen in der Reifezeit teilweise über mehrere Meter weit schleudern. Die Blütezeit der Blüten reicht von März bis Ende Juni und verwandelt ganze Wiesen in ein Blütenmeer.

Lebensraum des Aurora-Falters

Besonders für viele Insekten dient das Wiesenschaumkraut als Lebensraum und Nahrungsquelle: So zum Beispiel für die Raupen des Aurorafalters, was übersetzt „Göttin der Morgenröte“ bedeutet. Diesen Namen trägt der Falter aufgrund der auffällig orange gefärbten Vorderflügel der männlichen Falter. Die Weibchen, die hingegen fast weiß sind, legen ihre rötlich gefärbten Eier bevorzugt an die Blüten des Wiesenschaumkrauts. Normalerweise findet man an jeder Pflanze nur ein Ei, damit die Raupe ausreichend Nahrung hat - bevorzugt ernährt sie sich vom Blütennektar - und sich vollständig entwickeln kann. Die Raupen schlüpfen nach einer Woche, häuten sich mehrmals und verpuppen sich schließlich im Juli in Bodennähe, wo sie dann auch überwintern. Zu häufiges Mähen der Wiesen endet meist tödlich für die Raupen und Puppen  und nicht selten gehen durch die Umwandlung der Wiesen in ackerbaulich genutzte Flächen wichtige Habitate verloren.

Schaum aus Kuckucksspeichel?

Im Frühling scheinen manche Wiesen richtiggehend zu schäumen, denn in dieser Zeit ist an den Stängeln und Blättern des Wiesenschaumkrauts häufig eine Schaumhülle zu beobachten. Einst verdächtigte man den Kuckuck als Übeltäter, da sein Ruf zeitgleich mit dem Erscheinen der „Spucke“ zu hören war, deshalb heißt diese Schaumhülle noch heute „Kuckucksspeichel“. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um Schaumnester der Larven der sogenannten Wiesenschaumzikade. Diese Schaumnester schützen die Larven vor der Sonne und vor Feinden und erhalten die für ihre weitere Entwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Die Wiesenschaumzikade gilt als Weltmeister im Hochsprung. Das Insekt ist gerade einmal einen halben Zentimeter lang und erreicht aus dem Stand heraus eine Höhe von bis zu 70 Zentimeter. Kein anderes Lebewesen kann im Verhältnis zu seiner Körperlänge so hoch springen, wie die Schaumzikade - nicht einmal der Floh, der bisher als Rekordhalter galt.

Die Verbreitung des Wiesenschaumkrautes

Das Verbreitungsgebiet des Wiesenschaumkrautes reicht von Europa bis nach Nordasien und Nordamerika. Dabei sind die meisten Populationen außerhalb Europas Neophyten –sogenannte Neubürger. Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind die Stadt Rastatt und die umliegenden Gemeinden Iffezheim, Steinmauern, Ötigheim und Mugggensturm, findet man das Wiesen-Schaumkraut vor allem in feuchteren Wiesen und Weiden, aber auch in Bruch- und Auenwäldern. Das Wiesenschaumkraut ist jedoch zunehmend gefährdet, da seine bevorzugten feuchten Standorte im Rückgang sind.

Ein Schmerzmittel gegen Rheuma

Das Wiesen-Schaumkraut wird unter anderem als Tee verabreicht, da es Stoffe wie Senfölglykoside und Vitamin C enthält. In der traditionellen Heilkunde dient der Tee als Mittel gegen Rheuma und andere Schmerzzustände. Heilwirkungen beruhen vor allem darauf, dass die Inhaltsstoffe auf Niere und Leber anregend wirken. Dieser Wirkung verdankt das Kraut auch seine volkstümliche Bezeichnung „Harnsamen“.

Das Wiesenschaumkraut als Salatbeigabe und Brotaufstrich

Alle Teile des Wiesenschaumkrauts sind essbar. Der Geschmack ist „kresseartig“ und aufgrund der enthaltenen Senföle scharf. Besonders als Salatbeigabe oder für Kräutersuppen eignet sich das gesamte Kraut. Außerdem lässt sich mit wenig Aufwand ein leckerer Brotaufstrich herstellen.

Früher hielt man den Schaum des Wiesenschaumkrauts für Kuckucksspeichel. Foto: Rainer Deible.

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