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Interview mit der Wildkräuterexpertin Marianne Knörr-Groß

Marianne Knörr-Groß

Marianne Knörr-Groß, Wildkräuterexpertin, stand am 23.01.2013 Melina Wochner und Ramona Müller vom FÖJ der Stadt Rastatt für ein Interview zur Verfügung.

 

Kontaktdaten

Name: Marianne Knörr-Groß Adresse:

Nordstr. 21, 76437 Rastatt

Telefon (privat): 07222/68317

Email: auenkraeuter-mkg (at) web.de

Marianne Knörr-Groß erreicht man am Besten über ihr Festnetz (notfalls Anrufbeantworter) oder mit einer Email.

 

Weitere Ansprechpartner?

Leider gibt es heutzutage nur noch wenige Menschen, die sich umfassend mit den heimischen Wildkräutern auskennen. Grundlage für Marianne Knörr-Groß ist das alte Wissen der „Kräuterhexen“, von dem allerdings nur wenig schriftlich übermittelt wurde. Allerdings sind die Vielfalt der Pflanzen und die Naturphänomene im Pflanzenreich so groß, dass ein einziges Menschenleben bei Weitem nicht ausreicht, um dies alles zu erfassen.

 

Tätigkeiten?

- Kräuter sammeln

- Kräuter-Tee-Mischungen zubereiten

- Kräuterspaziergänge und Exkursionen

- Kräutervorträge

- UnKrautgedichte

- Ess- und trinkbare Früchte- und Kräuterzubereitungen

- Feld- und Gartenarbeiten

- Imkern (seit 2010)

- Verkauf oder Präsentation bei besonderen Veranstaltungen (Tee, Marmelade, Kräuter)

- ..... 

Teilnahme 2007 am Fest der Natur ...
... im Riedmuseum Ottersdorf

Wie sind Sie dazu gekommen?

Schon als Kind hat Marianne Knörr-Groß großes Interesse an Pflanzen gehabt, mit Wild-Kräutern experimentiert und ab und zu einen Kräuterbrei hergestellt. Aber damals natürlich weder gegessen noch sonst irgendwie angewendet. An diesen Duft, der den zerstampften Blättern entströmte, erinnert sie sich noch heute.

Später machte Marianne Knörr-Groß eine Ausbildung zur Apothekenhelferin. Bald stellte sich heraus, dass dieser Beruf nicht ganz das Richtige für sie war, sie absolvierte noch eine Gärtnerlehre (Baumschule) und bildete sich 2002-2003 berufsbegleitend an der >> Freiburger Heilpflanzenschule bei Ursel Bühring fort. Dort lernte sie u.a. den großen Unterschied zwischen selbstgesammelten und fachgerecht getrockneten Kräutern und fertiger Apothekenware kennen.

Heute bewirtschaftet Marianne Knörr-Groß einen eigenen „Kräuter-Acker“, wo sie ihren eigenen Bedarf an Kräutern deckt. Und da sie immer noch wissensdurstig ist, besucht sie immer wieder Weiterbildungen: gesundheitliche, psychologische, biologische … denn alles gehört irgendwie zusammen. Inzwischen hat Marianne Knörr-Groß ihr 10-jähriges „Kräuter“-Jubiläum!

 

Unter Artenschutz?

Unter Artenschutz stehen u. a. Arnika, Bärentraube, Moose und verschiedene Flechten, Maiglöckchen, Fingerhut, Eisenhut, Küchenschelle, Schlüsselblume, Diptam, Seidelbast, Tausendgüldenkraut, Enziane, Silberdistel, Sonnentau, Steinbrech, Scilla, Wassernuss, Trollblume.

Es wäre gut, die artgeschützten Pflanzen aus der eigenen Umgebung zu kennen. 

Kräutertafel

Wildkräuter: 

Wildkräuter = Unkraut?

Mehr oder weniger ja! Weitere Synonyme für Wildkräuter sind: Heilkräuter, Kulturbegleitgrün oder Spontanvegetation.

Leider sind die einst hochgeschätzten (Wild- oder Heil-)Kräuter zum Un-Kraut deklariert worden, nachdem Kulturformen gefunden bzw. gezüchtet wurden. „Unkraut“ ist also eine Erfindung des Menschen, weil es dort wächst, wo er es nicht (mehr) haben will. Und dort wird es mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Dabei sind diese „UnKräuter“ viele Millionen Jahre älter als wir Menschen – ohne sie gäbe es uns nicht. Denn UnKräuter sind wichtiger Bestandteil unseres Lebens, da sie Sauerstoff produzieren, für unsere Ernährung sorgen und unsere Gesundheit pflegen.

Außerdem sorgen sie für die Vielfalt in unserem Landschaftsbild und verhindern die Erosion des Bodens, weil sie ihn immer schön bedeckt halten.

UnKräuter sind die einfachsten Bodendecker – unter denen die kleinen „Minigärtner“ der Natur (Würmer, Käfer, Bodenbakterien, Pilze,...) arbeiten können und Nahrung finden. UnKräuter ziehen Insekten an, die Blattläuse von den Kulturpflanzen fressen.

Mit ihren Wurzeln lockern sie die Gartenerde, so dass der Boden gut belüftet wird.

Manche UnKräuter reichern Nährstoffe in der Erde an, andere verbessern mit ihren Wurzelausscheidungen die Qualität des Bodens.

Wer genau hinguckt, entdeckt ihre Schönheit.

Und sie sind auch heute noch wertvolle Heilpflanzen.

(Siehe Text unten: „Welch ein Unding...“)

 

Ist es erlaubt Wildkräuter mitzunehmen/abzuschneiden?

Ja, in kleinen Mengen, sofern sie nicht unter Natur- oder Artenschutz stehen, oder vom Aussterben bedroht sind. Unter „kleinere Mengen“ versteht man das, was man als Einzelperson selbst verzehren, oder als Tee trinken kann. Größere Mengen, oder gar zu gewerblichen Zwecken genutzte Wild-Kräuter müssen vor dem Sammeln (an-)gemeldet oder separat angebaut werden! In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Kräutern allerdings strengstens verboten, da diese Teil des Bestandes sind!

Was die „Kräuter-Sammelei“ von Marianne Knörr-Groß anbelangt, so hat sie inzwischen (fast) alles auf eigenem Gelände.

Abschneiden oder pflücken ist dabei wesentlich besser als rausreißen, weil dann die Pflanzen wieder nachwachsen können. Wenn Pflanzen mitsamt der Wurzel entfernt werden, kann es sein, dass sie sich an diesem Platz nie mehr ansiedeln.

Manche (Wild-)Pflanzen „gewinnen“ sogar durch einen regelmäßigen Schnitt. So z.B. blüht das Gänseblümchen viel reicher, wenn es gepflückt wird, bzw. durch Rasenmähen abgemäht wird. Wenn das Gras hoch wird, verkümmert es sogar.

Auch bei Sträuchern und Hecken wird das Wachstum durch Schnitt meist eher angeregt und eine reiche Verzweigung wird gewährleistet, was als Folge vielen Tieren mehr Nahrung und auch Schutz bietet. 

Haus mit Glyzinie, Foto: Marianne Knörr-Groß

Wo ist der Unterschied zu gezüchteten Kräutern vom Markt? Geschmack/Aussehen?

Bei gezüchteten Kräutern handelt es sich meistens um sogenannte Kulturkräuter, wie Basilikum, Rosmarin, Liebstöckel, Garten-Salbei, Bohnenkraut, Zitronenmelisse, usw. Diese haben durchaus ihre Berechtigung, denn im Allgemeinen findet man sie bei uns nicht wild vorkommend.

Dagegen findet man Brennnessel, Wiesenlabkraut, Schafgarbe, Löwenzahn usw., die sogenannten wild vorkommenden Kräuter, in Töpfchen auf dem Markt eher selten. Selbst Bellis, die großblütigen, gefüllten Gänseblümchen sind Zuchtformen und zum Verzehr nicht geeignet.

Geschmacklich sind Wildkräuter den Kulturkräutern meist haushoch überlegen, da Kulturformen zwar größer, jedoch geschmacksärmer sind. Hinsichtlich der Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, überbieten Wildkräuter bei weitem die der Kulturkräuter.

 

Wie empfehlenswert ist es, wild zu pflücken?

Wildpflücken ist empfehlenswert, schließlich hält die Schöpfung jedes Jahr aufs Neue ein breites Sortiment an Wildpflanzen parat. Dabei gilt es jedoch Einiges zu beachten:

- Wie bei den Pilzen auch, sollte man nur das sammeln, was man sicher kennt!

- Niemals Raubbau betreiben, sprich alle Pflanzen einer Art entfernen!

- Wirklich nur pflücken und nicht rausreißen! Beim Sammeln auch nicht alle Pflanzen einer Art abpflücken, damit sie sich eventuell noch aussäen können, so z.B. Bärlauch nicht „abmähen“, sondern nur einzelne Blättchen pro Pflanze, nur einzelne Blüten, nur einzelne Samen pro Pflanze mitnehmen.

- Man sollte nicht bei schlechtem Wetter sammeln. Da können sich die ätherischen Öle nicht entfalten und die Kräuter schmecken nicht so gut.

- Niemals unter Naturschutz stehende oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen sammeln.

- Nicht an stark befahrenen Straßen (wegen den Abgasen) oder „Hunde-Gassi-Wegen“ pflücken.

- Nicht in konventionell bewirtschafteten Streuobstwiesen sammeln, da die Bäume dort meist gespritzt werden, und sich Spritzmittel-Rückstände im Boden oder auf den Wildkräutern befinden können.

- Ebenfalls ungeschickt zu sammeln ist, wo regelmäßig gedüngt oder Gülle ausgebracht wird (hoher Nitratgehalt!)

Sonnenhut, Echinacea, Foto: Marianne Knörr-Groß

 Können auch im eigenen Garten Wildkräuter wachsen?

Ja natürlich, sofern man dies zulässt! Sie kommen gerne und vor allem ganz von selbst. So versteht sich die Natur wohl auch, denn sie gedeiht da, wo es für sie passend ist. Da könnte sich so mancher Mensch etwas davon abgucken.

In dem Kräutergärtchen von Marianne Knörr-Groß, das in verschiedene „Anwendungs- oder Befindlichkeits-Bereiche“ eingeteilt ist, hat sie einmal bestimmte Pflanzen in die jeweiligen Areale gepflanzt. Und siehe da, manche gediehen und manche verabschiedeten sich; auch nach mehrmaligem Nachpflanzen. Dafür gingen Wild-Pflanzen auf, die an diesem Platz fehl erschienen.

Anfangs versuchte sie diese „(An-)Ordnung“ wieder herzustellen, doch irgendwann akzeptierte sie, nicht zuletzt auf Grund von Zeitmangel, diese spontanen Kulturbegleiter. Heute herrscht bei ihr eine „geordnete Wildnis“. Sie lässt sich darauf ein, was die Natur schenkt und kann nur den Kopf schütteln über die typisch deutschen geschniegelt und gestriegelten Gärten.

 

Außergewöhnliche Kräuter/Heilkräuter in Rastatt und Umgebung?

Vor Jahren entdeckte Marianne Knörr-Groß im August am Rheinufer zwischen der Granitstein-Befestigung Osterluzei (Aristolochia clematitis), hier in der Riedgemeinde “Oschderzillienkrutt” genannt, und von Manchen der älteren Generation für den Kräuterwisch sehr begehrt.

Das von der Volksmedizin einst sehr geschätzte Heilkraut, das nur in sehr geschützten Lagen, meist in Weinbaugebieten an sonnigen Mauern vorkommt, wurde schon vor vielen Jahren, vermutlich wegen seiner Giftigkeit, aus dem Verkehr gezogen.

Dennoch leitete man in der „Alten Medizin“ damit die Geburt ein, im alten Ägypten wurde es als wirksames Mittel bei Schlangenbissen gepriesen, und diese Wirksamkeit ist bis heute immer wieder bestätigt worden.

In fast allen Erdteilen hat man Osterluzeigewächse zur Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte nach dem Biss giftiger Tiere eingesetzt, in vielen Ausleitungsmitteln (z.B.: zur Entgiftung) fand sich dieses pflanzliche „Antibiotikum“. Auch äußerlich fanden Abkochungen oder Kaltauszüge Anwendung bei Quetschungen, Verbrennungen mit Blasenbildung und bei Geschwüren.

Da es aber kaum bzw. keine genaueren Überlieferungen mehr gibt, würde Marianne Knörr-Groß sich niemals trauen, dieses giftige Kraut in irgendeiner Form zu verwenden. Ebenso wenig wie den giftigen Fingerhut, bei dem man in der Medizin die Digitalis-Glycoside isoliert verwendet.

Eisenhut und Tollkirschen wären von der sehr giftigen Liga noch zu nennen, die allenfalls als Aconitum und Belladonna in homöopathischen Darreichungsformen in Apotheken erhältlich sind.

Außerdem gibt es hier auch die, nach Meinung Marianne Knörr-Groß’s, zu unrecht verurteilten Neophyten, wie Kanadische Goldrute, Indisches Springkraut, Japanischer Knöterich. Diese Pflanzen seien einfach nur UnKräuter mit „Migrationhintergrund“, die durchaus ihre Berechtigung bei uns haben.

Mitunter sind sie auch mit nützlichen Eigenschaften ausgestattet. So ist es z.B. möglich, dass Kulturpflanzen neben dem Indischen Springkraut viel besser gedeihen können, wenn der Boden dort evtl. mit zerstörerischen Pilzmyzeln durchzogen ist. Das Indische Springkraut wächst gerne auf feuchten, modrigen Stellen, und scheint nach eigener Beobachtung die negative Energie gut zu kompensieren.

Auch als „Bachblüte“ wird das Indische Springkraut bei Hyperaktivität und unter Zeitdruck leidenden Menschen verabreicht, und es ist zusätzlich Bestandteil der „Notfall-Tropfen“. Die Blüten und die Samen lassen sich kulinarisch recht gut und vielseitig verwerten.

Außerdem ist Marianne Knörr-Groß das Springkraut, im Imker-Slang „Balsamine“ genannt, eine willkommene Bienen-Tracht-Pflanze.

Japanischer Knöterich ist eine sogenannte „Zeigerpflanze“ und zeigt Böden an, die schwermetall-belastet sind. Außerdem hat sich diese Pflanze medizinisch in der Borrelienbekämpfung bewährt.

Kanadische Goldrute kann wie die heimische Goldrute bei Blasen-Nierenbeschwerden eingesetzt werden und ist außerdem eine gute Bienenweide zu einer Zeit, wo nicht mehr so arg viel blüht. Goldrutenhonig ist übrigens ausgesprochen lecker!

Rosmarin, Foto: Felicia Groß

Verwendet man die Kräuter besser getrocknet oder frisch?

Wenn möglich immer frisch verwenden!

Wenn es die Vegetation erlaubt, sammelt man bei schönem Wetter, so viele Kräuter, wie man für ein paar wenige Tage benötigt. Wenn man Zeit hat, ist es natürlich besser täglich frisch zu sammeln.

Fein gesäubert (nicht unbedingt gewaschen!) schlägt man sie in ein feuchtes (Geschirr-)Tuch ein, lagert sie kühl und verwendet sie baldigst. Ähnlich wie Spargel.

Nie in Kunststofftüten packen, denn darin schwitzen die Kräuter und gammeln schnell!

Kräuter, die über den Winter einziehen, bzw. nur zu einer bestimmten Zeit frisch gesammelt werden können, kann man trocknen, wenn man sie zu einer anderen Zeit benötigt, oder wenn man sich eine Teemischung herstellen möchte.

Beim Trocknen gehen leider ein paar Inhaltsstoffe, mitunter auch etwas Farbe, verloren. Bei fachgerechtem Trocknen und Lagern allerdings, sind die selbstgesammelten Kräuter bei weitem gehaltvoller als die gekauften.

 

Gerichte mit Wildkräutern

- Gänseblümchencreme >> zum Rezept

- Grüntrunk

- Gundelreben-Konfekt

- Bärlauch-Butter >> zum Rezept

- Bärlauch-Baguette >> zum Rezept

- Bärlauchpesto >> zum Rezept

- Wildkräuter-Quiche >> zum Rezept

- Pfefferminzplätzchen oder Rosmarinkekse

- Wiesenkräutersüppchen >> zum Rezept

- Nelkenwurzwein

- Alkoholfreie Kräuterbowle >> zum Rezept

Oder, oder, ...

Passionsblume, Foto: Marianne Knörr-Groß

Besonderes Erlebnis/Anekdote?

Letztes Jahr hielt Marianne Knörr-Groß einen ihrer Kräutervorträge. Als sie in der Vorbereitungsphase mit Lerchensporn-Pflanzen hantierte, überfielen sie Zitteranfälle, so dass sie ihre Arbeit abbrechen musste. Nachdem diese abgeklungen waren, forschte sie nach, welche Wirkungen dem Lerchensporn zugeschrieben werden. Sie fand heraus, dass er in Medikamenten für die Zitterkrankheit enthalten ist. Die Wirkstoffe musste sie wohl über die Haut aufgenommen haben.

Von einem anderen Ereignis hat sie über eine Bekannte erfahren: Diese erzählte Marianne Knörr-Groß von einem Mann, der in einem Restaurant in Italien panierte Primeln gegessen hat. Die haben ihm so köstlich gemundet, dass er dieses Gericht auch zu Hause kochen wollte. Er sammelte Schlüsselblumen (gehören zur Gattung der Primeln) und bereitete sie zu. Später servierte er sie seinem Besuch und kurz darauf wurden alle mit heftigen Beschwerden ins Krankenhaus gebracht. Der Mann hatte statt Schlüsselblumen Fingerhut gesammelt, dessen Verzehr zu schweren Vergiftungen führte. Deshalb unbedingt beachten: Nur das sammeln, was man auch sicher kennt! (s.o. "Wie empfehlenswert ist es, wild zu pflücken?“)

 

Profi-Wissen

- Die Pflanze „kommt“ zu dem Menschen, der sie braucht. Dort, wo eine Wildpflanze sich von selbst ansiedelt, dort hat sie auch die stärkste Kraft, die größte Vitalität, und dort wird sie von einem Familienmitglied auch gebraucht.

- Dann ist auch noch über die Signaturenlehre Einiges zu erfahren, d.h. das Erscheinungsbild einer Wildpflanze, eines Heilkrautes sagt etwas über seine Heilkraft aus. (Das Lungenkraut und der Ackerschachtelhalm sind gute Beispiele dafür). Mit dem entsprechenden Wissen lässt sich auch alles deuten.

- Heilpflanzen, von denen die Wurzeln verwendet werden, gräbt man in der Ruhephase aus. Im Winter, wenn die Pflanzen eingezogen sind, ist die ganze Pflanzenkraft in der Wurzel gespeichert, da zu dieser Zeit keine oberirdischen Pflanzenteile versorgt werden müssen. Man muss sie allerdings teilen, und nicht alles entnehmen, damit die Pflanze erhalten bleibt. Die Wurzeln müssen rasch getrocknet werden, weil sie u.U. leicht gammlig werden können.

- Beim Pflanzen richtet man sich besser nach dem Mondstand, beim Ernten nur bedingt. Oberirdische Pflanzenteile werden immer nur bei schönem Wetter gesammelt, weil sich da die ätherischen Öle, die Duftstoffe am besten entfalten. Bei Regen, oder am Abend gesammelte Kräuter duften nicht besonders. 

Lungenkraut Foto: Felicia Groß

Links? Lektüre? weitere Infos?

Marianne Knörr-Groß möchte keine Empfehlungen aussprechen, da es so viele verschiedene Bereiche gibt. Jeder interessiert sich für einen anderen Blickwinkel.

Dennoch von uns (FÖJ) einige Vorschläge:

>> Kräuterlexikon, mit Anbau-, Sammel- und Anwendungstipps, Wirkung etc.

>> Informationen rund um „UnKräuter“ (z.B.: Vergleich Wild- und Kulturpflanzen)

>> kraeuter-verzeichnis / Suche auch nach Krankheiten möglich

„Unsere Heilkräuter – Bestimmen und anwenden“ von Ursula Stumpf (KosmosNaturFührer)

 

Zum Schluss

Was für ein UnDing,

 

was da einst anfing,

Wildkräuter UnKraut zu nennen,

ohne sich überhaupt auszukennen.

Ohne Sinn und ohne Gespür,

für das, was wächst vor der Haustür.

Wer kennt sie heut’ denn schon,

unsere Spontanvegetation?

Die Wüchsigkeit der UnKräuter ist enorm,

sie zeigen sich in ihrer besten Form!

Fast kein Mensch kann beim Vorübergeh’n,

ihre Absicht und ihre Botschaft versteh’n.

Niemand kann gescheit noch lesen,

für was sie einstmals gut gewesen!

 

Alles wird geprüft, zerlegt und extrahiert,

dreimal kopiert, kodiert und kontrolliert,

in Einzelteilen auf ein Trägerglas geschmiert......

um unterm Mikroskop herauszufinden,

was oben, unten, vorne, hinten,

sprich: wozu die Pflanze taugt,

und ob’s nicht besser chemisch gebaut.

Schließlich unterliegen die Kulturbegleiter,

Wetter, Standort und so weiter.

Und außerdem kann’s ja gar nicht sein,

dass so ein Wirkstoff immer rein!

 

Sicher liegt hier auf der Hand,

wie man einst die Pflanz’ verstand:

Sie hilft dem Mensch als Ganzes nur,

und nicht zerlegt für nur eine Spur !

 

Früher waren die Heilkräuter gut bekannt,

heute werden sie als UnKraut verbannt.

Der moderne Mensch begreift’s anscheinend nie,

er vernichtet immer noch das Natur-Genie,

in seiner irrsinnigen Phledonie,

mit Giften der Chemie.

 

Doch gibt es ´Kräuterhexen`, weise Frauen,

die auf UnKräuter wieder schauen,

Salben rühren, Tees bereiten,

alte Wege neu beschreiten.

Sie studieren was da draußen,

alljährlich wächst fast ohne Pausen:

Heil- und UnKraut ohne gleichen,

für Jung, Alt, Arm und für die Reichen......

Spontan, üppig und recht wild,

geh’ hinaus und mach Dir selbst ein Bild.

 

Denn in der Natur

hat alles Struktur,

Sinn und Ziel,

sowieso ganz viel!

Sie ist nahezu perfekt,

wenn auch ein wenig versteckt,

doch leitet ihre Signatur

Dich oft auf ihre Spur.

Hast Du das einmal für Dich entdeckt,

ist das Interesse am UnKraut geweckt.

So würde es sich wirklich lohnen,

unsere UnKräuter etwas zu schonen,

da sie in ihrer größten Kraft stehen,

dort, wo sie von selber aufgehen.

Wo sie von je her unverdrossen,

aus unsrer Mutter Erde sprossen,

da ist ihre ganze Vitalität

von allerhöchster Qualität.

 

Doch ist’s der Mensch, der mitunter schändet,

was uns die Erde Gutes spendet.

Drum sei so klug und so penibel,

für die Botschaften etwas sensibel,

auch froh und dankbar für die Werke,

die der Schöpfer uns bescherte.

Das wär’ ganz unbestritten,

das Wichtigste meiner Bitten.

 

von Marianne Knörr-Groß

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