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Europäische Wildrebe (Vitis vinifera ssp. sylvestris)

Eine seltene Kostbarkeit der Rheinauen

Die Wildrebe ist Pflanze des Monats November 2014

Zur Pflanze des Monats November 2014 hat die Umweltstiftung Rastatt die Europäische Wildrebe gewählt. Die seltene Kostbarkeit ist für die Rheinauen charakteristisch und gleichzeitig vom Aussterben bedroht.

Die Europäische Wildrebe: Stammform der heutigen Kulturrebe

Die Europäische Wildrebe ist die Stammform der Kulturrebe. Rebengewächse waren in Europa noch vor der letzten Eiszeit weit verbreitet. Während der Eiszeit wurden sie in den Mittelmeerraum zurückgedrängt. Von dort aus kehrten die Wildreben dann nach der Eiszeit wieder entlang der Flüsse wie Donau und Rhone bis zum Oberrhein zurück. In den vergangenen beiden Jahrhunderten sind die Wildrebenbestände am Oberrhein drastisch geschwunden. Wuchsen Mitte des 19. Jahrhunderts noch viele tausend Reben, so waren es um die Wende zum 21. Jahrhundert nur noch etwa 100 Exemplare. Aus verschiedenen Gründen ist die Europäische Wildrebe am Oberrhein vom Aussterben bedroht: Die Trockenlegung der Auwälder, Kahlschläge und Durchforstungsarbeiten, Verbiss durch Wildbesatz, Verwechslung mit der Waldrebe und Unachtsamkeit gehören dazu. Heute steht die auf den Roten Listen von Baden-Württemberg und Deutschland und zählt zu daher zu den streng geschützten Arten.

Europäische Wildrebe erreicht stolzes Alter

Die Europäische Wildrebe wächst in den Flussauen als Liane an Bäumen und kann zwischen zehn und 20 Metern hoch werden. Sie bevorzugt lichte Stellen an Waldrändern und wird bis zu 200 Jahre alt. Sie ist eine verzweigte, verholzende Pflanze. Ihre rundlichen Laubblätter sind handförmig und drei- bis fünflappig. Die Wildrebe ist im Gegensatz zur Kulturrebe zweihäusig, das bedeutet, es gibt männliche und weibliche Exemplare. Die männlichen Blüten stehen in bis 15 Zentimeter langen Ständen und duften mitunter stark. Der Pollenflug reicht bis zu 70 Meter weit. Die Beeren der Wildrebe sind rund bis länglich, meist blauviolett, und mit einer Wachsschicht versehen. Sie sind weniger saftig als die Kulturrebe, im Zuckergehalt aber ähnlich, jedoch säurehaltiger. Sowohl die Wildrebe als auch die Kulturrebe sind Unterarten derselben in Europa heimischen Art und sind untereinander kreuzbar.

Vom Aussterben bedroht: Forschungsprojekte zum Schutz der Wildrebe

Da die Wildrebe vom Aussterben bedroht ist und die genetischen Ressourcen der Wildrebe erhalten bleiben sollen, haben Wissenschaftler verschiedene Forschungsprojekte initiiert. So fand am WWF-Auen-Institut in Rastatt unter der Leitung von Prof. Dr. Emil Dister ein Projekt zur „Überlebenssicherung der Wildrebe in den Rheinauen durch gezielte In-Situ-Erhaltung“ statt. Am Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gibt es in Partnerschaft ein weiteres Wildrebenprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Nick. Dort geht man der Frage nach, ob die Wildrebe noch besondere Resistenzen gegen die eingeschleppten Krankheiten besitzt. Da die Bekämpfung der Pilzkrankheiten heute vielfach mit schädlichen oder die Umwelt belastenden Stoffen erfolgt, könnte mittels Kreuzung ein Beitrag zum biologischen Pflanzenschutz geleistet werden. In Begleitung der beiden Wildreben-Projekte wurde im Botanischen Garten des Botanischen Instituts eine umfangreiche internationale Wildrebensammlung angelegt. Auch von den wenigen verbliebenen Europäischen Wildreben am Oberrhein wurden Steckhölzer gewonnen und zu neuen Wildreben herangezogen. Diese wurden im Rahmen des Auen-Projekts bereits an geeigneten Standorten in den Rheinauen ausgebracht. Ziel ist es, am Oberrhein wieder lebensfähige Wildpopulationen zu begründen.

Die Europäische Wildrebe wird oft verwechselt: zum einen mit dem Wilden Wein, der aus Nordamerika stammt und so manche Hauswand ziert. Zum andern mit der verbreiteten Gewöhnlichen Waldrebe, einer Clematisart. In den Rastatter Rheinauen kann man auf einzelne Wildrebenexemplare treffen. Diese wurden in den 1990er Jahren ausgebracht. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um Hybriden handelte. Da die Gefahr der Kreuzung besteht, wurden in den Rastatter Rheinauen bisher keine echten Wildreben ausgesetzt, obwohl der Standort sehr geeignet wäre. Lediglich die Naturfreunde Rastatt haben zu naturpädagogischen Zwecken vier Exemplare an der Raukehl angepflanzt, die sie von den Forschungsprojektverantwortlichen erhalten hatten. Ziel ist es, für den Erhalt der Europäischen Wildrebe zu werben und auf die Notwendigkeit des Artenschutzes auch in den Rheinauen aufmerksam zu machen.

Nähere Informationen zur Pflanze des Monats

gibt es auf dem Rheinauenportal der Naturfreunde, Ortsgruppe Rastatt, unter www.naturfreunde-rastatt.de/rheinauen/fauna-flora/wildrebe/index.php

Text und Bild:

Heinz Zoller, Vorsitzender der Naturfreunde, Ortsgruppe Rastatt.

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