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Winterschachtelhalm (Equisetum hyemale)

Der Winterschachtelhalm - Pflanze des Monats Januar 2014

Urtümliche Pflanze in heimischen Gefilden

Die Umweltstiftung Rastatt hat im Rahmen ihrer Kampagne „Pflanze des Monats“ den Winterschachtelhalm zur Pflanze des Monats Januar 2014 gewählt.

Der Winterschachtelhalm oder Equisetum hyemale – so lautet seine wissenschaftliche Bezeichnung - gehört zur Familie der Schachtelhalmgewächse. Diese urtümlichen Pflanzen hatten ihre Blütezeit im Erdzeitalter Karbon vor 350 bis 290 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit waren diese sehr artenreich; einige von ihnen erreichten Wuchshöhen von 30 Metern. Zusammen mit Farnen und Bärlappgewächsen bildeten sie riesige Wälder.

Heute kommen in Baden-Württemberg noch neun Schachtelhalmarten vor, wobei der Ackerschachtelhalm, der verbreitet auf Äckern und in Gärten zu finden ist, der bekannteste sein dürfte. Von den anderen Schachtelhalmarten ist der Winterschachtelhalm durch seine völlig unverzweigten Sprosse leicht zu unterscheiden. Die Bezeichnung Winterschachtelhalm leitet sich auf seine überwinternden Triebe zurück. Man kann ihn auch im Winter recht gut beobachten. Die Pflanze ist aufrecht, gestreift, kantig –rau und dünnstielig. Zusammen mit dem Riesenschachtelhalm gehört er zu den größten einheimischen Arten. Wuchshöhen von bis zu über 100 Zentimetern sind keine Seltenheit.

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das ist die Verwaltungsgemeinschaft Rastatt, findet man ihn in den Rheinauewäldern. Hier kommt er oft herdenweise in dichten bis sehr dichten Beständen auf sickerfrischen Standorten vor. Die Vorkommen in den Rheinauenwäldern spiegeln sich in den Flurnamen wider; z.B. gibt es bei Rust den Flurnamen „Schaftheugrund“ und in Diebolsheim im Elsass den Flurnamen „Schaftheu“. Schaftheu ist ein weiterer Name des Winterschachtelhalms.

Winterschachtelhalm, Foto: Stephan Biebinger

Von allen heimischen Schachtelhalmarten soll der Winterschachtelhalm die meiste Kieselsäure in seinen Sprossen enthalten. Deshalb wurde er früher gerne zum Reinigen von Zinngegenständen verwendet. Daher kommt auch sein Spitzname „Zinnkraut“. „Auch zum Glätten von Holz (schleifen) wurde der Winterschachtelhalm benutzt. Im badischen Rheintal wurde dieser in großen Mengen in vollen Wagen gewonnen und gehandelt.“ (Quelle: v. Martens und Kemmler, 1882).

Die Arzneimittelfirma Heel in Baden-Baden, die seit über 100 Jahren aus natürlichen Heilpflanzen Medikamente herstellt, verwendet den Winterschachtelhalm u.a. für ein Präparat, das zur Aktivierung des Lymphsystems und zur Stärkung der Selbstheilungskräfte des Organismus eingesetzt wird.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass man für das Sammeln des Winterschachtelhalms eine behördliche Ausnahmegenehmigung benötigt; in Naturschutzgebieten ist die Entnahme von Pflanzen oder Pflanzenteilen zum Schutz der heimischen Pflanzenwelt bis auf wenige Ausnahmen generell verboten.

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