Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)

Das Eschensterben - im Gespräch mit Martin Koch, dem Kundenbereichsleiter Forst bei der Stadt Rastatt

Forstliche Versuchsanstalten aus ganz Europa arbeiten zusammen an einem großen forstlichen Problem - dem Eschensterben. Rund 95 Prozent der Eschen sind davon betroffen. Auslöser des Eschensterbens ist  Chalara fraxinea, die Nebenfruchtform des Pilzes "Falscher Weißer Stengelbecherchen", welcher aus Ost-Asien eingeschleppt wurde.

Dramatische Auswirkungen auf den Wirkungsbereich Rastatt

Als "dramatisch" beschreibt der Forstwirt Martin Koch die Auswirkungen des Eschensterbens, weil der Stadtwald Rastatt zu 23 Prozent aus Eschenbeständen besteht. Vor allem in den Rastatter Hartholzauenwäldern spielen die Eschen eine große Rolle. Da vor circa 30 bis 50 Jahren oftmals ein großflächiger Eschenanbau gefördert wurde, sterben diese großen, zusammenhängenden Flächen nun auch fast zeitgleich weg. Dies führt teilweise zu völlig anderen Waldbildern mit einer zunehmenden Verkrautung und Vergrasung. Martin Koch ist überzeugt, dass das Eschensterben auch Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht haben wird. Allerdings sei das Ökosystem Wald vergleichbar komplex, wie ein Spinnennetz: "Zieht man an einem Faden, so wackelt es auch an einer komplett anderen Stelle". Deshalb lassen sich die Folgen jetzt noch nicht absehen. Sicher ist jedoch, dass sich der Wald langfristig ein Stück weit selbst regenerieren wird.

Welche Maßnahmen werden getroffen, um das Eschensterben einzudämmen?

Das Eschensterben durch die Falschen Weißen Stengelbecherchen kann leider nicht direkt bekämpft werden. Hoffnung bestehe allerdings, dass sich irgendwann resistente Bäume ausbilden könnten. In nordischen Ländern seien teilweise schon resistent erscheinende Bäume aufgetreten. Diese Bäume eignen sich demnach als Forschungsobjekte für die Zukunft der Esche.  Stark befallene Bäume müssen vom Forst gefällt werden. Martin Koch erklärt, dass Bäume die noch nicht erkrankt sind, ebenso wie leicht befallene Bäume nicht aus dem Wald entnommen werden. Es findet demnach kein prophylaktisches Schlagen von Eschen statt. An Wegen und Straßen besteht jedoch ein hohes Risiko, dass kranke Eschen unvermittelt umstürzen oder, dass es zu Astbrüchen kommt, weshalb diese Bäume entfernt werden müssen. Fällarbeiten bei Eschen sind besonders gefährlich, da das Eschenholz unter besonders hohen Spannungen steht. Daher kann der Stamm bei der Fällung auf einer Länge von bis zu 15 Metern zerbrechen und durch absplitternde Bruchstücke die Arbeiter gefährden. Beim Fällen einer Esche bedarf es daher einer großen Erfahrung.

Kranke Bäume erkennt man an der Baumkrone

Martin Koch erklärt, dass zunächst Veränderungen in der Laubkrone der Eschen festgestellt werden können. An den Außenkronen sind bereits tote Triebspitzen sichtbar.Die Esche kompensiert dies im weiteren Krankheitsverlauf durch zusätzliche Ersatztriebe an den Kronenästen, welche eine besenförmige Struktur annehmen.  

Wenn die Laubkrone bereits 50 Prozent und mehr ihrer Blätter verloren hat, bildet sich eine regelrechte Sekundärkrone am Stamm und einzelne starke Äste brechen bereits aus.Der Blattverlust und die Astbrüche schreiten im Krankheitsverlauf immer weiter voran, bis die Eschen vollkommen kahl sind.Besondere Bedeutung haben Hallimasch Arten (parasitäre, holzzersetzende Pilze), die sich oft ringförmig um den Stammfuß der Esche ansiedeln und die durch Chalara fraxinea vorgeschädigten Wurzeln und das Kambium zerstören, wodurch der Tod des Baumes herbeigeführt wird. Häufig verursacht der Hallimasch auch ein Aufplatzen der Rinde.

Diese Pilze gedeihen vor allem unter feuchten und warmen Bedingungen. Deshalb stellt Martin Koch die Vermutung an, dass das Eschensterben auch eine Folge des  Klimawandels sein könnte, da die klimatischen Bedingungen für das Pilzwachstum zunehmend besser werden.

 

 

Das Eschensterben im Rastatter Wald ist dramatisch.