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Wilde Möhre (Daucus carota)

Pflanze des Monats August 2019 – Wilde Möhre (Daucus carota)

Der Schwalbenschwanz liebt sie

Die Wilde Möhre ist weit verbereitet. Foto: Semmelmann.
Die Wilde Möhre ist weit verbereitet. Foto: Semmelmann.
Die Wilde Möhre wächst häufig an Wegerändern. Foto: Semmelmann.
Die Wilde Möhre wächst häufig an Wegerändern. Foto: Semmelmann.

Pflanze des Monats August 2019 – Die Wilde Möhre (Daucus carota) Der Schwalbenschwanz liebt sie Zur Pflanze des Monats August 2019 hat die Umweltstiftung Rastatt die Wilde Möhre – ihr wissenschaftlicher Name ist Daucus carota – ernannt. Sie wird bis zu einem Meter hoch und gehört im Hochsommer zu den auffälligsten und häufigsten Blumen am Wegesrand. Stellenweise kann sie sich mit ihren weißen Blütenschirmen kilometerweit an Straßenrändern, an Böschungen aber auch auf extensiv gepflegten Rabatten und brachliegenden Flächen ausbreiten.

Vorkommen

In Baden-Württemberg ist die Pflanze weit verbreitet und meist häufig anzutreffen. Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind Rastatt und die umliegenden Gemeinden Steinmauern, Ötigheim, Muggensturm und Iffezheim findet man die Pflanze auf Wiesen, Ödlandflächen, an Straßenrändern und vielen anderen trockenen Standorten. Sie blüht von Juni bis September.

Stängel, Blätter, Wurzeln

Charakteristisch sind die borstige Behaarung der Stängel und die würzig, nach Möhre riechenden und zierlichen zwei- bis vierfach gefiederten Blätter. Die Pflanze ist zweijährig. Im ersten Jahr bilde sie Grundblätter aus. Erst im zweiten Jahr zeigen sich die Blüten. Die Wilde Möhre ist ein typischer Tiefwurzler, ihre Wurzeln können bis zu 80 Zentimeter tief in den Boden ragen. Sie besitzt nur wenig Ähnlichkeit mit der heute kultivierten Möhre. Die verdickte Hauptwurzel ist nicht orangefarben wie bei der kultivierten Möhre, sondern von blasser Farbe. Sie enthält viel weniger Karotin als die Gartenmöhre. Trotzdem kann die Wurzel der Wilden Möhre als Gemüse genutzt werden. Dabei sollten aber besser nur die Wurzeln der einjährigen Pflanzen verwendet werden, im Jahr der Blüte schmeckt die Wurzel scharf und holzig.

Blüten

In systematischer Hinsicht gehört die Wilde Möhre zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler und ist damit mit anderen Gewürzkräutern wie dem Anis, dem Dill, dem Kerbel, dem Kümmel verwandt. Auch die für den Menschen giftigen oder gesundheitsschädigenden Pflanzen wie der Schierling und die Herkulesstaude gehören zu dieser Familie. Ihr weißer Blütenstand besteht aus 15 bis 50 kleinen Dolden. Als einzige Art unserer heimischen Flora befindet sich in der Mitte der zierlichen weißen Blütendolde oft eine große schwarzpurpurn gefärbte, sterile „Mohrenblüte“, die auf den ersten Blick wie eine kleine Fliege aussieht. Auf diese Besonderheit geht der Name Möhre oder Mohrrübe zurück. Diese Mohrenblüte soll wie eine Fliegenattrappe wirken und Fliegen und Käfer anlocken, die gerne da landen, wo schon andere Artgenossen sitzen. Die Dolden der Möhre sind zur Fruchtzeit vogelnestartig eingesenkt. Die Pflanze bildet dann hakelige Samen aus.

Sehr beliebt bei Insekten (Insektenmagnet)

Bei Insekten ist die Möhre äußerst beliebt. Wildbienen, Honigbienen, Wanzen, Käfer und Fliegen aller Art besuchen deren Blüten. Sie alle wollen nur das Eine: Nektar und Pollen. Für einige Sandbienenarten dienen die Blüten der Wilden Möhre als Hauptpollenquelle. Den regen Blütenbesuch machen sich wiederum Spinnen zu nutze. Die Veränderliche Krabbenspinne beispielsweise ist dank ihrer weißen Färbung auf den Blüten kaum zu entdecken - auch nicht für Insekten, die hier für die Spinne zur leichten Beute werden. Und die mittlerweile selten gewordene Schmetterlingsart Schwalbenschwanz legt sein Eier bevorzugt an der Wilden Möhre ab. Deren Blätter gehören zu der Lieblingsspeise der Raupen dieser auffälligen Tagfalterart. Diese verpuppen sich auch gerne am Stängel der Pflanze.

Heilpflanze

Die Wilde Möhre fand auch als Heilpflanze Verwendung. Im Jahr 1563 schrieb Matthiolus über die „Würkung von Mören“ folgendes: „Die Mören gesotten / sindt lieblich zu essen / dem magen nützlich / treiben den harn / bringen lust zur speis / und zu den ehelichen wercken“ Auch in der Volksmedizin war die Möhre ein geschätztes Heilmittel. Der Wurzelbrei wurde auf schlecht heilende Wunden und Geschwüre gelegt, oder man vermischte frische Blätter mit Honig und verwendete sie als Wundauflage. Die Samen wurden als harntreibendes Mittel bei Nieren- und Blasensteinen genommen.

Die Gartenmöhre

Jedes Baby weiß: Nach der Muttermilch kommt der Möhrenbrei. Die Möhre zählt zu den ältesten Kulturpflanzen und war bereits in der Jungsteinzeit bekannt. Die Wilde Möhre ist die Mutter aller Möhren. Die Herkunft unserer Gartenmöhre ist bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Vermutlich liegt sie im Großraum Südeuropa und Asien, da dort die meisten Wildformen wachsen. Es wird vermutet, dass die Gartenmöhre eine Kreuzung aus der Wilden Möhre und der in Südeuropa vorkommenden Riesenmöhre ist. Möglicherweise spielt bei der Züchtung der Gartenmöhre (Karotte) auch die Schwarzmöhre eine Rolle. Die heutigen Möhren sind wahre Vitamin- und Mineralstoffspender. Die Möhre ist ein wesentlicher Nährstofflieferant für Betacarotin, das eine Vorstufe von Vitamin A ist. Das Betacarotin lässt die Karotten auch orange leuchten. Wichtig ist Vitamin A für das Wachstum, das Immunsystem, den Stoffwechsel und die Hautbildung.