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Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus)

Die Wegwarte - Pflanze des Monats August 2015

Hellblauer Sonnenwirbel am Straßenrand - Kaffee vom Wegesrand

Die Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte - ihr wissenschaftlicher Name ist Cichorium intybus - ist eine sparrig verzweigte, 100 - 160 Zentimeter hoch werdende, Milchsaft führende Staude. Ihre Pfahlwurzel reicht tief in die Erde. Sie gehört zur Familie der Korbblütler. Andere Korbblütler sind z.B. die Sonnenblume, die Echte Kamille, Arnika oder Löwenzahn.

Sie besiedelt gerne warme, vollsonnige trockene, gern auch stickstoffreiche Standorte.

Im Wirkungsbereich der Umweltstiftung Rastatt, das sind die Stadt Rastatt mit ihren umliegenden Gemeinden (Iffezheim, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern) kommt sie vor allem an Mauern, Böschungen, Wegsäumen oder anderen stark vom Menschen beeinflussten Wuchsorten wie Bahnhöfen mit Gleisanlagen, Industriebrachen und Schuttplätzen vor.

Mit ihren leuchtenden hellblauen kurzlebigen Blüten ist sie ein echter Blickfang. Die Blüten sehnen sich nach Wärme. Sie öffnen sich morgens in Richtung Sonne und drehen sich mit dieser bis in die Mittagsstunden. Aufgrund dieser Eigenschaft hat die mittelalterliche Heilkundige Hildegard von Bingen die Pflanze Sonnenwirbel genannt. Nachmittags und bei schlechtem Wetter bleiben die Blüten geschlossen. Die Blütezeit beginnt bei uns je nach Witterung bereits Juni und endet im Oktober.

Bei blütenbestäubenden Insekten wie Schwebfliegen, Insekten und Schmetterlingen ist die Wegwarte sehr beliebt. Allein 37 verschiedene Wildbienenarten sollen die Pollen der hübschen Pflanze sammeln.

Die Wegwarte ist schon seit dem Altertum bekannt und beschrieben. Erste Hinweise finden sich in ägyptischen Papyrustexten aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Die fleischige Wurzelrübe der Wegwarte diente bereits den alten Griechen und Römern als Heilpflanze und Gemüse.

Nach der Nutzpflanzenkunde (Liberei, Reisdorff und Franke, 2007) erlangte die Pflanze erst eine größere Bedeutung, als sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts zur Gewinnung von Kaffee-Ersatz aus der gerösteten Rübe genutzt wurde. Kaum bekannt jedoch ist, dass sie damit einmal in der großen Weltpolitik eine Rolle spielte: Um den teuren Import der Kolonialware Kaffee zu verhindern, wurde durch Friedrich den Großen der Anbau der Wegwarte als Kaffeeersatz in Preußen stark gefördert und breitete sich rasch in ganz Deutschland aus. Auch heute noch wird bei uns der koffeinfreie Blümchenkaffe („Muckefuck“) gerne getrunken.

Gekocht ist die Wurzel als Gemüse genießbar, die jungen Blätter als Salat. Die Pflanze schmeckt chicoréeartig feinbitter und saftig. Die abgezupften blauen Blüten kann man als Farbakzent z.B. auf verschiedenen Salaten und als Zutat für Brotaufstriche verwenden.

Als Kulturformen werden die Wurzel- oder Kaffeezichorie und die Salatchicorie angebaut.

Die Pflanze enthält in der Wurzel einen hohen Anteil des Mehrfachzuckers Inulin. Dadurch ist die Pflanze für Diabetiker geeignet und dient zugleich als Grundlage für die industrielle Herstellung von Inulin, das als süßlich schmeckender Ballaststoff für Diätzwecke Verwendung findet. Inulin kann in der Therapie der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als Stärke-Ersatz eingesetzt werden, da es nicht auf den Blutzucker-Spiegel einwirkt.

In der Volksheilkunde nutzt man die Wurzel oder das Kraut der Wildform als kräftigendes, verdauungsförderndes, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss förderndes Mittel, dessen Wirkung über den Bitterstoffgehalt erklärt werden kann.

Um die Wegwarte ranken sich einige Geschichten. Im Mittelalter hielt man sie für eine mächtige magische Zauberpflanze. Wurde sie auf eine bestimmte Art und Weise geerntet, sollte sie unbesiegbar machen. Auch als Liebeszauber wurde sie eingesetzt.

Übrigens: Eng verwandt mit der Gewöhnlichen Wegwarte ist die Endivie (Cichorium endivia), der allseits bekannte Spätsommersalat.

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