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Schlehe (Prunus spinosa)

Die Schlehe - Pflanze des Monats Dezember 2014

Wertvoller Wildstrauch für Mensch und Tier

Zur Pflanze des Monats Dezember 2014 hat die Umweltstiftung Rastatt eines unserer wertvollsten einheimischen Wildgehölzer gewählt: die Schlehe.

Bekannt ist sie auch unter den Namen Schlehdorn, Heckendorn und Schwarzdorn. Die Schlehe ist ein dornenreicher Strauch und wird in unserer Region dank der nährstoffreichen Böden in den Auen bis zu acht Meter hoch. Sie wächst besonders häufig in Hecken und an sonnigen Weg- und Waldrändern.

Bereits die Menschen in der Jungsteinzeit wussten die Schlehenfrüchte zu schätzen. Auch Ötzi, der Mann aus dem Eis, trug Schlehdornfrüchte in seinem Vorratsbeutel mit sich. Aber was ist an der Schlehe so besonders?

Die dunkelblauen, reifen, fast kugelrunden Beeren, die im Herbst überall an den Schlehdornsträuchern zu finden sind, haben es in sich: Die Früchte, die wie Minipflaumen aussehen, haben einen sehr sauren und bitter herben Geschmack. Wer auf sie beißt, verzieht vermutlich erst einmal sein Gesicht. Sie sind jedoch sehr vitaminreich und werden nach einem ordentlichen Frost etwas milder und somit schmackhafter. Gerade die „zusammenziehende Wirkung“ der Beeren ist der Grund für ihre zahlreichen Heilwirkungen. So mildern sie zum Beispiel Zahnfleischentzündungen oder Durchfallbeschwerden. Um Zahnfleischblutungen zu behandeln, übergießt man einige Schlehen mit sprudelnd kochendem Wasser und verwendet den so gewonnenen Tee zum Gurgeln. Gegen Durchfall hingegen trinkt man den Tee. Auch getrocknete Schlehenfrüchte helfen gegen die Beschwerden. Schlehenmus und Schlehensirup dienen zur Kräftigung während der Stillzeit, zur Stärkung nach Krankheiten und zur Belebung der „Lebensgeister“. In der Küche werden die Beeren hauptsächlich zur Herstellung von Schlehenwein oder Schlehenlikör genutzt.

Aus den Steinen beziehungsweise Kernen der Früchte werden Kernsäckchen hergestellt, mit denen man sich im Winter angenehm aufwärmen kann – vorausgesetzt, sie werden vorher im Backofen oder auf der Heizung erhitzt.

Selbst die Blüten des Strauches sind von naturheilkundiger Bedeutung, denn sie sind, besispielsweise als Tee, ein sanftes Abführmittel. Laut Sebastian Kneipp sind sie zudem magenstärkend und vor allem auch für Kinder geeignet.

Nicht nur für den Menschen, sondern auch für Tiere ist die Schlehe eine wertvolle Pflanze. So stellt sie für zahlreiche Tiere eine wertvolle Nahrungsquelle dar. Im Frühjahr suchen nektarhungrige Insekten, vor allem Bienen, die Blüten der Schlehe auf. Auch für Vögel ist sie von großer Bedeutung, denn sie finden in Schlehenhecken Schutz und können dort ungestört brüten. Außerdem ist die Schlehe im Herbst und Winter eine wunderbare Speisekammer mit nahrhaften Früchten. Damit sind Schlehenhecken unverzichtbare Biotopinseln in unserer Kulturlandschaft.

Eine alte Legende besagt, dass die Schlehe gegen ihren Willen als Dornkrone für Jesus missbraucht wurde. Daher wird sie jeden Karfreitag als Zeichen ihrer Unschuld von Engeln weiß eingekleidet. Und tatsächlich fällt von März bis April – also um Ostern herum – die wohlriechende, strahlend weiße Blütenpracht des einheimischen Wildgehölzes ins Auge.

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