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Anfang und Idee der Umweltstiftung Rastatt

Die Ursprünge der Umweltstiftung reichen bis in die 1980er Jahre zurück: Mit dem Bau des neuen Mercedes-Benz-Werkes am Standort Rastatt stellte sich das Problem des enormen Verlusts an freier Landschaft. Es galt, den Eingriff in die Natur - 120 Hektar der alten Rheinaue, eine Fläche so groß wie 160 Fußballfelder waren für das neue Werk vorgesehen - so gut wie möglich auszugleichen.

Rastatter Kompromiss

Nach intensiven Verhandlungen zwischen dem vormals zuständigen Umweltministerium Baden-Württemberg, dem Naturschutzbund Deutschland NABU (damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz), dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) und der Umweltstiftung WWF Deutschland, einigten sich die Beteiligten 1987 in einer gemeinsamen Erklärung, dem "Rastatter Kompromiss", auf Ausgleichsmaßnahmen in der Natur für den Eingriff durch den Werksbau. 

Das Ausgleichspaket sah vor, die Nordumgehung für Rastatt durch einen Tunnel zu führen, um den Ötigheimer Wald vor einer Zerschneidung zu schützen. In der Rheinaue zwischen Iffezheim und Au am Rhein sollten alte Rheinarme wieder durchgängig, Hindernisse für das freie Einströmen des Wassers beseitigt werden. Der Federbach von seinen Quellen bei Malsch bis zur Mündung bei Karlsruhe war für eine Renaturierung vorgesehen. Man einigte sich auf die Ausweisung zahlreicher Schutzgebiete in der Rheinaue und auf weitere Ausgleichsmaßnahmen, zu deren Finanzierung sich das Land Baden-Württemberg ebenfalls verpflichtete. Diese zielten darauf ab, den Schaden an Natur und Landschaft zu begrenzen.

Problemfälle im Kompromisspaket

Die weiteren Planungen ergaben allerdings, dass die beiden Maßnahmen "Alte Murgschlute im Krummfeld" und "Alter Riedkanal westlich des Mercedes-Benz-Werkes" nicht zu realisieren waren:

Im Zuge des Ausbaus der Murg zu einem schnurgeraden Kanal Ende des 18. Jahrhunderts waren die vormaligen Flussschlingen der Murg zwischen Rastatt und der Murgmündung vom Wasserzufluß abgeschnitten worden und verlandeten allmählich zu sumpfigen "Schluten". Diese Mulden im Gelände hatten die Menschen als Einladung angesehen, ihren Müll dort abzukippen. Eine der Murgschluten im Gewann "Krummfeld" sollte nun vom Müll befreit und der Natur zurückgegeben werden. Die genaue Prüfung kam aber zum Ergebnis, dass hier weit mehr Unrat abgelagert worden war als angenommen. Sowohl die enormen Kosten als auch die fehlenden Deponiekapazitäten für die Unterbringung des Mülls machten das Vorhaben unmöglich.

Weiterhin wurde ein vom Riedkanal durchflossener ehemaliger Rheinarm, der quer über das neue Werksareal lief, zugeschüttet. Man verlegte das Gewässer an den östlichen Rand des Industriegeländes und leitete es so um das Werk herum. Auf der anderen Seite blieb der alte Riedkanal übrig, der ohne den Zufluss frischen Wassers zu verlanden drohte. Ein neuer "Rheinwasserzug" sollte genau das verhindern. Genaue Untersuchungen zeigten jedoch, dass dieses neue Gewässer mehr Schäden an der Landschaft als Nutzen für den alten Riedkanal gebracht hätte.  

Geglückte Problemlösung

Land und Umweltverbände suchten nach neuen Wegen, um das vereinbarte Kompromisspakte wieder zu vervollständigen. Trotz intensiver Suche in der Arbeitsgruppe Umweltprojekt Rastatt "AURA" gelang es aber nicht, alternative Projekte im Umfeld des neuen Werkes zu finden. Die Lösung brachte schließlich der Rechenstift: Die Naturschutzverbände zählten zusammen, was ursprünglich für den Bau des "Rheinwasserzuges" beim alten Riedkanal und das Räumen der Murgschlut im "Krummfeld" veranschlagt worden war und machten den Vorschlag, diese Summe als Grundstocksvermögen in eine neu zu gründende Stiftung zu geben. Aus den Zinserträgen dieses Geldes sollten in der Zukunft Projekte zum Wohle der Natur umgesetzt werden. Diese Idee hatte gleich mehrere Vorteile:

  • Die Problemfälle aus dem Kompromisspaket konnten gelöst werden.
  • Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen sollten für Projekte öffentlicher und privater Antragsteller zur Verfügung stehen. Die Chance für die Realisierung neuer und zahlreicher Ideen stand nun offen.
  • Für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen stand nun eine Geldquelle zur Verfügung, die von den öffentlichen Haushalten unabhängig war.

Nachdem sich alle AURA-Parteien einig waren, den Stiftungsgedanken in die Tat umzusetzen, wurden die anstehenden Fragen zur Gründung einer solchen Stiftung geklärt: der Gründung einer Stiftung stand nichts mehr im Wege! 

Die Umweltstiftung Rastatt wird gegründet

Am 20. Dezember 1999 ist es soweit: Die damalige Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin und der amtierende Rastatter Oberbürgermeister Klaus-Eckhard Walker unterzeichnen im Rastatter Rathaus das Stiftungsgeschäft und die Satzung für die "Umweltstiftung Rastatt". Die Karlsruher Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle genehmigt die Stiftung und setzt diese damit in Kraft. Stifter sind das Land Baden-Württemberg und die Stadt Rastatt. Das Land bringt 5,5 Millionen DM (rund 2,8 Millionen Euro) als Grundstocksvermögen in die Stiftung ein, die Stadt Rastatt verpflichtet sich, das Personal und die Räumlichkeiten für die Führung der Stiftungsgeschäfte bereit zu stellen. Die Väter der Stiftungsidee, die Umweltverbände, sind als Paten ebenfalls im Rastatter Rathaus mit dabei: Prof. Dr. Emil Dister, Leiter des WWF-Auen-Instituts in Rastatt, Wolfgang Huber, Vorsitzender des NABU im Kreis Rastatt und Prof. Gunther Kaufmann, Sprecher des Landesnaturschutzverbandes für die Kreise Rastatt und Baden-Baden.

Der neu zu besetzende Stiftungsvorstand trifft sich zum ersten Mal am 13. April 2000: die Arbeit kann beginnen.

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